SEF.Talk Remote Work Episode 1
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SEF.Talk Remote Work Episode 1

Natalie Ediger Von Natalie Ediger

SEF.Talk Episode 1: “Remote Kommunikation”

Unter dem diesjährigen Motto “Walk the line” motiviert die SEF (kurz für Swiss Economic Forum) Unternehmen zu mehr Risikobereitschaft und Experimentierfreudigkeit. Ein Motto, welches aufgrund der derzeitigen Geschehnisse sogar noch mehr an Bedeutung gewonnen hat. Denn insbesondere in dieser Krisenzeit spielen Agilität, Innovationsfähigkeit und der Digitalisierungsgrad im Unternehmen eine entscheidende Rolle. Für viele bedeutet das in dieser Situation den Umstieg auf ein Home-Office. Aber nicht jeder ist für diese drastische Transformation rechtzeitig gewappnet… .

Remote Working Beratung

Aus diesem Grund wurde der SEF.Talk ins Leben gerufen –  über mehrere Episoden hinweg wird Cleverclip Gründer und CEO, Carlo Badini, gemeinsam mit anderen SEF Partnern und Experten Fragen rund um das Thema “Remote Work” diskutieren. Alle Live-Streams sowie die zugehörige Transkription können Sie im Nachhinein auf unserem Blog lesen.

Die erste Episode startete gestern, am 23. April und stand ganz im Zeichen der remote Kommunikation. Unterstützt wurde die Diskussion von spannenden Teilnehmern, darunter Dino Graf, Head of Group Communication, Responsibility & Brand Management der AMAG Group AG, Hans-Peter Nehmer, Head of Corporate Communications & Responsibility der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG sowie Michael Schranz, Marketingleiter von Apps with Love. Welche Erfahrungen und Herausforderungen erwarten uns im Bereich remote Kommunikation? Was ist zu beachten? Was können wir lernen? Sehen Sie selbst, was die Expertenrunde diskutiert hat.

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Transkription:

Carlo Badini: Wunderbar. Ich begrüsse alle ganz herzlich. Schön, dass es klappt. Wir hoffen, dass die Verbindung stabil bleibt, wie sie momentan ist. Wir haben es getestet, das sollte eigentlich alles mehr oder weniger klappen. Ich würde ansonsten ganz schnell alle begrüssen. Ich selber bin der Carlo. Mir gehört die Cleverclip GmbH. Wir sind eine Kommunikationsagentur, seit sieben Jahren unterwegs und sind komplett remote unterwegs. Also wir machen eigentlich seit sieben Jahren das, was die meistens so ein bisschen in das kalte Wasser geworfen hat. Ich bin jetzt heute so ein wenig am Modellieren und schaue, dass wir jetzt in dem Kontext diese Themen diskutieren und die Kommunikation in der Remote-Workforce.

Wie hat sich das jetzt in den letzten Wochen etabliert, was können wir daraus lernen? Was können wir mitnehmen? Ich würde eigentlich sehr gerne, das Ganze geht etwa 30 Minuten und dann würden wir dort noch auf ein paar Fragen unserer Zuschauer eingehen. Ihr könnt während dem ganzen Livestream Fragen stellen. Unten seht Ihr eine Fragenbox, die Ihr öffnen könnt und Eure Fragen reintun. Wir werden dann am Schluss noch, wenn wir mit der Diskussion fertig sind, diese bearbeiten, so weit wir können, so weit es die Zeit zulässt. Spätestens in 45 Minuten werden wir hier einen Schlussstrich ziehen und wieder zurück an unsere Arbeit gehen. Jetzt bevor wir loslegen, würde ich aber sehr sehr gerne jedem von unseren Panelists schnell die Möglichkeit geben, sich vorzustellen. Wollen wir mit dem Hanspeter anfangen, ist das okay?

Hanspeter Nehmer: Können wir machen. Hallo miteinander, mein Name ist Hanspeter Nehmer, ich bin der Kommunikationschef von der Allianz Schweiz Versicherungs-Gesellschaft. Das seit zehn Jahren, ich feiere dieses Jahr das zehnjährige Jubiläum und finde das jetzt ein spannendes Experiment, einmal solch einen Talk via Video und mit den anderen Kollegen jetzt auch da zu diskutieren.

Carlo Badini: Super, merci vielmal. Dino willst Du gleich weiterfahren?

Dino Graf:  Ah ja doch gern. Dino Graf. Ich bin jetzt ein bisschen länger als der Hanspeter im Amt. Ich leite die Unternehmenskommunikation von der AMAG seit 1998. Finde es auch sehr spannend und für uns war vor allem jetzt auch der Prozess spannend. Wir haben mit mobilem Arbeiten bei uns im letzten Sommer angefangen, langsam reingesteigert und jetzt auf einen Schlag mussten wir es praktisch für alle Bürolisten umsetzten.

Carlo Badini: Super, merci vielmal. Michael willst Du noch gerade das Schlusslichtchen bilden?

Michael Schranz: Ja hallo zusammen. Mein Name ist Michael Schranz. Ich bin verantwortlich für das  Business-Developement bei Apps with Love. Wir sind eine Softwarefirma und sind uns in vielen Teilen Remote-Work schon gewöhnt. Ich selber bin vor drei Jahren einmal für ein ganzes Jahr remote um die Welt gereist und habe von dort 80 Prozent gearbeitet. Das ist ein bisschen mein Bezug zu diesem Thema. Ich habe gelernt, was dort die Vorteile sein können, aber auch ganz viele Hindernisse beim dem Remote-Work-Setting.

Carlo Badini: Super, also ich glaube ein guter Mix, wir haben so ein wenig zwei jüngere, so digital ausgerichtete Firmen und ein paar gestandene Betriebe.

Hanspeter Nehmer: Machst Du da den Bogen.

Carlo Badini: Gut etablierte, gestandene Firmen. Und ich glaube das gibt einen guten Mix, um herauszufinden, wie machen das die unterschiedlichen Firmen. Bevor wir jetzt schon direkt in das Remote-Work reingehen und in die Thematik, würde es mich einfach noch Wunder nehmen von Euch drei zu hören: Wie läuft es momentan? Wie seid Ihr mit der aktuellen Situation umgegangen beruflich? Was hat es für Einschneidungen gegeben, wie musstet Ihr Euch anpassen? Wie steht es so, ja jetzt bei Euch individuell? Ich weiss nicht, Michael willst Du gleich nochmals das Wort übernehmen?

Michael Schranz: Ja eben das ist sicher für alle von uns ziemlich einschneidend, ausser man hat schon vorher, wie das vielleicht bei Deiner Firma so ist permanent nur noch von remote gearbeitet. Wir sind uns von unserer Firma Remote-Office gewöhnt gewesen, aber nicht in dem Ausmass. Das heisst auch gerade für mich privat. Ich meine ich habe vier Kids noch und bist du quasi gezwungen, zuhause zu arbeiten. Und für mich ist das auch ein grosser Unterschied zwischen selbstgewünschtem und geplantem Remote-Office, wo ich auch wählen kann, wo richte ich mein Remote-Office ein. Und ich selber mache das auch sonst. Einmal in der Woche im Regelbetrieb mindestens.

Aber dann gehe ich an einen Ort, der nicht zuhause ist zum Beispiel. Und jetzt sind wir halt wirklich im forced Home-Office am Arbeiten und das ist für mich etwas ganz anderes. Ich habe vier Kiddies wie gesagt und da hat man wirklich den Zusammenprall von privaten Needs und Family und Business und das klebt nachher alles zusammen. Dazu kommt, dass wir von unserem Business her, da kann ich von Glück reden, aber aufgrund auch von Corona, dass wir mehrere Apps und Softwares haben, die für das ganz viel Nutzung haben, zusätzliche Nutzung bekommen haben und Aufmerksamkeit und entsprechend auch viel Druck von der Auftraggeber-Seite da ist, dass wir jetzt Gas geben, gerade in dieser Corona-Zeit, vielleicht eher mehr arbeiten, als jetzt unbedingt weniger als vorher.

Carlo Badini: Cool, also sicher musstest Du auf der Business-Seite nicht eine grosse Einbusse einfahren?

Michael Schranz: Genau das ist sicher jetzt vor allem einfach einmal kurzfristig. mittel-, längerfristig wissen wir alle, wenn nachher Investitionen von sämtlichen Business plötzlich wegbleiben, glaube ich zwar nicht, dass die alle zuerst in die Digitalisierung laufen werden, aber trotzdem kann es natürlich zu Verzögerungen von Investitionen, Projekten und, und, und kommen.

Carlo Badini: Wie ist es bei der AMAG?

Dino Graf:  Ja gut eben vielleicht aus der wirtschaftlichen Sicht ist es sicher die Herausforderung auf der einen Seite unsere Hersteller, die die Produktion heruntergefahren haben. Auf der anderen Seite Betriebe, die weiterhin den Service an den Fahrzeugen machen konnten. Aber gleichzeitig sind die Verkaufslokale zu. Das hat natürlich zur Folge, dass entsprechend die Autoverkäufe zurückgegangen sind. Das man Autos online bestellt, ist noch nicht so üblich. Wir haben jetzt trotzdem aber über unser neues Onlineportal bereits 16 Autos verkaufen können. Aber der Kunde will sie immer noch sehen. Für uns als Mitarbeitende, muss man auch sehen, wir haben eine sehr heterogene Population.

Wir haben Mitarbeitende, die müssen im Betrieb arbeiten, der Automechaniker, Carosserie et cetera. Und dann gibt es die, die eben einen Bürojob haben. Und wir sind das letzte Jahr von vier Standorten an einen umgezogen, hier auf Cham. Und haben bei diesem Umzug schon einmal das mobile Arbeiten angefangen einzuplanen, die Idee war dort, dass man so etwa einen Tag in der Woche würde von zuhause aus oder von ausser Haus arbeiten. Dass man nicht immer hier herkommen muss. Und jetzt ist der Alltag seit Mitte März für alle eher du musst zuhause schaffen und nicht mehr hier. Also wir konnten uns sicher langsam an diese neue Situation herantasten. Aber wenn es dann plötzlich nicht nur ein Tag ist, sondern man ist zwei oder drei Tage zuhause im Home-Office, dann habe ich aus eigener Erfahrung gemerkt, bin ich froh, wenn ich vielleicht wieder einmal einen Tag in das Büro kann, einfach um den Rhythmus beibehalten zu können.

Carlo Badini: Mhm. Hanspeter?

Hanspeter Nehmer: Ja bei uns ist es sicher so, dass wir, wir haben vorher schon zum Teil so remote gearbeitet. Also ein gewisser Teil von unseren Mitarbeitern hat schon Home-Office gemacht. Aber nie in dieser Breite, wie da. Was für uns jetzt ganz neu war, natürlich dass man innerhalb von einem Tag kann man sagen geswitcht hat und 95 Prozent von der Belegschaft, sind doch 3600 Mitarbeitende in der ganzen Schweiz. Und man muss immer sehen wir haben eine Innendienst-Organisation und auch eine sehr grosse Aussendienst-Organisation. Das heisst Agenturen, Hauptagenturen, Kleinagenturen. Und all die sind von einem Tag auf den anderen in das Home-Office geschickt worden. Und jetzt sind wir etwa noch verbleibende 100 Personen da am Standort in Wallisellen, wo ich übrigens jetzt auch noch bin, und der Rest ist alles von zuhause aus jetzt am arbeiten.

Und was das Schöne ist, also ich sage das ist eigentlich das Positive an dieser ganzen Geschichte neben dem anderen Leid, wo man ja alles jetzt selber ein wenig mitbekommt, das hat sehr gut funktioniert, also für uns ist ja entscheidend auch, sind wir für unsere Kunden erreichbar in der gleichen Qualität, das wäre natürlich so der Wunsch gewesen, und das kann man jetzt sehen nach sechs Wochen, die sogenannten Servicelevels, wie das bei uns so bezeichnet wird, die sind auf dem gleichen Niveau wie vorher und in dem Sinn ist das ja eigentlich ein Erfolg.

Und ganz klar will ich auch noch sagen im Change hat sicher, ist auch noch etwas passiert, wir haben halt immer auch einen Haufen Führungskräfte nach wie vor gehabt, die immer das Gefühl hatten Home-Office, ja das ist, ich sag jetzt einmal salopp gesagt, Beine hochlagern und nach hinten liegen und es ein wenig schön haben. Und das ist jetzt eben nicht eingetroffen, sondern die Leute sind echt motiviert am arbeiten. Und wir wissen das jetzt auch, weil wir  vor zwei Tagen auch den ersten Pilot gemacht haben mit Umfragen. Wir haben bei gewissen Bereichen nachgefragt, wie geht es euch zuhause im Home-Office. Und das Feedback ist recht positiv bis auf das, was Dino auch schon gesagt hat und was mir auch so ein wenig fehlt, ist halt der soziale Kontakt, der Austausch der direkte mit den Kolleginnen und den Kollegen.

Carlo Badini: Eben ich kann mich noch erinnern, wir sind ziemlich genau vor sieben Jahren gestartet und haben von Anfang an Home-Office eingeführt oder respektive Remote-Work, das hat vor allem einen praktischen Grund gehabt, wir konnten uns nur ein solches hässliches Kellerzimmer leisten in Bern und ich wollte das niemandem zumuten in einem grauen, dreckigen Raum acht Stunden bügeln müssen. Und dann kann ich mich noch erinnern, ist Feedback oft zurückgekommen, das ist Hippie-Management, das funktioniert nicht und jetzt muss ich also sagen, auch bei uns,  wo das seit langer Zeit machen,  hat das immer wunderbar funktioniert.

Was ich jetzt merke, da schliesse ich mich glaube ich allen an, es ist bis jetzt immer, das ist vor allem das, was Michael gesagt hat, es war immer freiwillig. Wir haben hier in Bern ein solches Office, das fungiert eigentlich ein wenig als interner Co-Working-Space und ich war dann halt doch zwei, drei Tage pro Woche hier und jetzt fühle ich mich wirklich zuhause ein wenig eingesperrt und diese zwischenmenschliche Kommunikation, die man sonst halt doch noch hat, die fehlt. Und das habe ich auch gemerkt in der letzten Woche habe ich plötzlich angefangen, einfach ohne Agenda einfach irgendwelchen Mitarbeitern anzurufen, um zu fragen wie es geht.

Hanspeter Nehmer: Das ist doch jetzt auch die Herausforderung im Kontakt zu bleiben mit den Mitarbeitenden. Jetzt gerade wenn man eine Führungskraft ist, ist das, finde ich, der wichtigste Aspekt im Moment, um herauszufinden, wie geht es denn meinem Team? Und das kann man nicht mit den, ich sage einmal Team-Calls machen, da geht es um inhaltliche Sachen auch, sondern um herauszufinden, wie es denn Einzelnen geht, braucht es sehr wahrscheinlich noch so nebenbei  eine Kontaktmöglichkeit, dass man einmal anruft und sagt: „Hey wie läuft es eigentlich?“. Um ein wenig heraus zu spüren, wie es geht. Und ich finde das ist auch nochmals ein zusätzlicher Aufwand für jede Führungskraft oder im Moment.

Dino Graf: Ich glaube es ist eben grundsätzlich der Aufwand, weil in der Firma kannst du schnell zum anderen Arbeitsplatz, du kannst mit dem Kollegen schnell etwas anschauen, hier jetzt im Remote-Arbeiten ist entweder du machst ihm ein Mail, du organisierst eine Telefonkonferenz, es ist immer auch aufwändiger, weil du diese verschiedenen Kommunikationslevel zum Teil nicht bringen kannst. Du weisst nie, ist es jetzt sachbezogen, ist es jetzt eher ein Beziehungsthema und das habe ich festgestellt, das ist schon eine Herausforderung. Und es gibt gewisse Themen, die du mit deinen Leuten anschauen willst, die kannst du nicht per Telefonkonferenz und die kannst du  nicht per Videokonferenz, dann musst du sie physisch haben, vor allem wenn es nicht um ein inhaltliches Thema geht, sondern eher um ein, ich sage jetzt wirklich ein Beziehungsthema.

Carlo Badini: Michael, siehst Du es auch so?

Michael Schranz: Ja, es ist wirklich so, also wir haben mit meinem Team sehr bald, also nach wenigen Tagen habe ich gemerkt das im Daily-Standup, wo unsere Firma kurz eine Viertelstunde eigentlich in einem gemeinsamen Call ist, das hilft und sehr. Das gibt es sonst physisch in unserer Firma auch, so um zehn Uhr. Natürlich kann man das nicht in der Allianz mit 3500 Mitarbeitenden machen, das verstehe ich, aber mit unserer Grösse geht das noch. Und das hat einfach kurz gezeigt, wo sind so ein wenig die Leute dran, man kann kurz sehen, wie geht es diesen Leuten, das merkt man mal noch schnell, wenn man alle einmal sprechen hört. Aber ich habe nachher gemerkt in meinem Team, es fehlt dieser generelle Austausch und dann haben wir einen Daily-Call eingeführt, wo wir einfach eine Stunde haben, der zwar freiwillig ist, aber wo wir über inhaltliche Themen diskutieren, wo wir weitergehen.

Und neben dem haben wir halt schon ganz etabliert neben den E-Mails, die hier ja der Tod sind, wenn man jetzt alles über das machen will, sondern wir haben Slack, das unser internes Kommunikationstool ist, was schon auch so ein bisschen auf Remote-Teams ausgelegt ist, also das heisst in diesem Slack haben wir wie ein Intranet, haben wir generelle Channels, die alle anbelangt, so General, Random. Und dann hat man halt teambezogen und projekt- oder themenbezogen einzelne Channels, die natürlich die ganze Kommunikation, die man sonst, wenn man kein Slack hat, wahrscheinlich sehr viel auf Mail gehen würde. Oder halt immer gerade einen Call haben muss, wo wir dort mit Slack noch wie eine Zwischen-Messaging-Lösung haben, wo wir halt alle schon daran gewöhnt waren, von vorher.

Carlo Badini: Wir haben Basecamp, ist in dem Sinn das Gleiche einfach grün. Und haben das auch seit dem Anfang. Also wir haben Slack ausprobiert und haben dann auf Basecamp gewechselt. Und das habe ich mir auch aufgeschrieben gehabt, das würde mich jetzt wundern, jetzt bei den zwei grösseren Firmen, wie löst Ihr es mit den Kommunikationskanälen? Wir haben in dem Sinn wirklich, wie der Michael auch, dedizierte Kanäle für dedizierte Themen und können so wirklich, also wir haben intern null E-Mail-Verkehr, null. E-Mails werden nur für die externe Kommunikation verwendet. Alles andere findet in diesen Kanälen statt, wo wir zu jedem Projekt, oder zu jedem Thema wie einen dedizierten, wie einen Whatsapp-Messaging-Verlauf eigentlich haben und dann kann man in der Gruppe immer so partizipieren und sich mitteilen. Wie macht Ihr es?

Dino Graf: Also ich glaube man kann natürlich so die kleineren Start-Ups, die sehr technologieaffin sind, wie Ihr beide, nicht mit uns vergleichen. 6500 Leute, 100 Standorte, eben verschiedene Tätigkeitsfelder. Ich muss sagen für uns ist eigentlich diese Krise, wenn man so will, ein halbes Jahr zu früh gekommen, diese Corona-Krise, weil wir sind jetzt eben für diese Mitarbeitenden mit einem PC-Arbeitsplatz, aber auch für die anderen dran gewesen Microsoft -Team auszurollen, was uns ja dann sehr viele Möglichkeiten gibt von der internen Kommunikation. Chat, verschiedene Gruppen und so weiter. Jetzt sind wir halt ein wenig von  der Situation überholt worden. Ausrollen wollen wir es sowieso, jetzt sind wir einfach ein wenig früher dran und es wird vielleicht nicht ganz so strukturiert ausgerollt, wie wir es gerne gehabt hätten, weil wir es jetzt einfach schon für die Zusammenarbeit heute brauchen. 

Die Kommunikation findet bei uns auf verschiedensten Kanälen halt statt. E-Mail sicher nach, Telefon, wir haben ein Intranet, wir haben auch etabliert, dass wir allen Mitarbeitern ja wöchentlich, manchmal zweimal in der Woche ein kurzes Update geben, was ist die aktuelle Situation bezüglich Regelungen vom Bund. Was müssen wir wissen? Das Thema von wie gehen wir um mit gewissen Feiertagen, die jetzt dann anstehen? Was ist mit den Ferien? Kurzarbeit? All diese Themen, die halt kommen, haben wir einen Kanal etabliert, der ist jetzt noch via E-Mail, wo wir alle Mitarbeiter einfach erreichen und dann ist es auch von Unit zu Unit funktionieren die anders. Die, die ein wenig mehr schon computeraffin sind, die ein wenig jünger, digitaler sind, die haben zum Teil die Teams schon gebraucht, die haben mit Whatsapp sogar kommuniziert, was nicht immer im Interesse ist von einem Unternehmen. Und andere halt wirklich noch sehr ja althergebracht mit E-Mail und darum so eine Linie, die haben wir noch nicht. In einem halben Jahr wären wir wahrscheinlich ein wenig anders aufgestellt gewesen.

Hanspeter Nehmer: Bei uns ist es eher so,  da kann ich vielleicht das, was schon gesagt wurde nicht noch einmal wiederholen. Ich glaube es gibt so die offiziellen Kanäle, wo jetzt gerade bei einem Unternehmen wie uns, was Aussen- und Innendienstorganisation ist, wo man eben auch sehr viel Kundenkontakt hat, ist es vor allem jetzt darum gegangen am Anfang, wo diese Krise ausgebrochen ist, haben wir enorm hohes Informationsbedürnis gehabt seitens der Mitarbeiter, das haben wir gestillt, in dem wir sehr schnell, sehr oft und sehr viel kommuniziert haben.  Wir haben da so, eine Corona-Plattform haben wir das genannt, eingerichtet mit verschiedenen Unterthemen, der Dino hat es eigentlich schon angetönt, das sind die ähnlichen Themen. Arbeitsrechtliches Verhalten, Gesundheit et cetera. Das ist regelmässig upgedatet worden, auch aus dem Krisenstab sehr schnell informiert. Dann haben wir auch quasi solch einen CEO-Brief oder /, wie wir das genannt haben.

Jede Woche, wo er sich an die Belegeschaft wendet und auch so ein wenig motivierend auch dort einwirken will, um zu sagen, komm das schaffen wir miteinander. Und dann haben wir etwas ganz Neues jetzt gemacht und das ist jetzt auch aus der Krise entstanden, eine Idee, die wir innerhalb von einer Woche aufgebaut haben. Das ist das Allianz-Radio. Und zwar haben wir das Radio Allianz genannt „Hallo aus dem Home-Office“, weil wir haben gemerkt, irgendetwas fehlt noch. Wir sind da sehr gut in der offiziellen Kommunikation, die machen wir regelmässig, aber ein solch verbindendes Element hat noch gefehlt. Und dann ist uns die Idee gekommen eben einen solchen Podcast zu machen, ihm einen sexy Namen zu geben und eben vor allem dieses Home-Office verbinden, das war das Thema.

Und der Inhalt von diesem Podcast, am Anfang wurde der täglich produziert, dann sind wir seit gut einer Woche sind wir im zweitäglichen Rhythmus und jetzt sehen wir auch die Klickraten gehen jetzt ein wenig retour und jetzt überlegen wir uns auch  diese Kadenz noch mal ein wenig zurückzufahren.  Und der Inhalt von diesem Podcast ist eigentlich zweiteilig. Im ersten Teil haben wir ein Interview mit Fachexperten, die sehr im Bereich berichten, was diese Corona-Situation bei ihnen auslöst und im zweiten Teil schalten wir dann zu den Mitarbeitenden nachhause und besprechen da ihre Themen miteinander. So auch im Sinn von guten Tipps geben. Eben sei das jetzt quasi Home-Schooling, wie man mit dem umgeht, wie sie quasi Personen, die jetzt in die Pension gehen und sich nicht verabschieden können persönlich, wo man dann eben auch so die Möglichkeit gegeben hat, den Leuten zu sagen: „Tschüss miteinander, wir sehen uns sicher wieder.“

Carlo Badini: Ja das ist cool.

Dino Graf: So etwas Ähnliches haben wir, wir haben nicht ein Radio gehabt und wir haben auch am Anfang ist natürlich oh jetzt ist diese Corona-Situation, mit dem ist nicht zu spassen, das muss man ernst nehmen. Und dann hat es so diese strukturelle, klare Informationskommunikation gegeben und jetzt so im Lauf der letzten eins, zwei Wochen haben wir es auch ein wenig aufgetan. Wir haben Kunden befragt wie sie bei uns ja wie sie das Gefühl hatten, wie wir das jetzt umgesetzt haben. Wir haben auf dem Intranet in einer anderen Rubrik auch was sind deine Erfahrungen mit dem Home-Office? Das ist unterteilt zwischen wieder Information bis hin auch ein wenig zur Unterhaltung zum Amusement.

Da hat es dann mal den einen oder anderen Videoclip gegeben, den wir jetzt dort posten. Einfach das die Leute ein wenig Unterhaltung haben. Ich habe gesehen im Chat ist eine Frage reingekommen von Christian Gartmann, ob jetzt dieser Digitalisierungsschub bei uns anhalte oder vielleicht nachher dann wieder ein wenig zurückgeht. Ich glaube wir sind schon daran gewesen uns noch mehr zu digitalisieren. Und uns auf die neuen Technologien zu fokussieren. An dem sind wir jetzt schon länger dran. Eben mobiles Arbeiten, Einführung von Teams. Es wir sicher, wenn wir jetzt, sagen wir machen jetzt zehn Schritte vorwärts, werden wir vielleicht wieder zwei Schritte zurück machen, aber ich bin überzeugt, dass die aktuelle Situation heute die Tür öffnet für das eine oder andere, was vor einem Jahr noch nicht diskutabel war.

Hanspeter Nehmer: Die Frage von unserem gemeinsamen Kollegen Christian Gartmann. Diese Richtung, die jetzt im Moment im Raum ist, und ich glaube das Momentum, das müssen wir jetzt irgendwie ausnutzen und auch schauen, ich glaube das ist einmal noch wichtig so Learnings jetzt daraus zu ziehen, es wäre jetzt einfach schade, wenn man gerade alles wieder quasi das Alte zurückstellen, das kann man wie auch nicht., weil wir haben jetzt Umfragen auch gemacht in einer Piloteinheit, um herauszufinden wie geht es den Leuten zuhause. Und da ist sehr viel jetzt gekommen. Das Home-Office funktioniert, technisch funktioniert es gut, mir passt das eigentlich und das gibt für uns jetzt sicher auch ein Momentum, wo man sagen kann: „Okay wenn das funktioniert, dann müssen wir auf diesem Pfad irgendwo weitergehen.“ Ich glaube das ist sicher aus dieser Corona-Zeit das, was wir rausziehen können und sicher noch viele andere Learnings.

Carlo Badini: Was sind die Unterschiede. Von meiner Perspektive, ich habe halt nie, ich habe mehr oder weniger nach dem Gymi das Unternehmen gegründet, ich bin gar nie richtig in einer traditionellen Firma tätig gewesen, die nicht remote ist.  Jetzt von Euch zwei vor allem,  von Michael nimmt es mich auch Wunder, muss man es bewusster gestalten die Kommunikation? Weil man weniger informelle Kanäle hat, wo man einfach so beim Watercooler vorbeigehen kann und schnell quatschen. Ist man vielleicht gezwungen einen Radiosender zu installieren oder wir hatten ja auch eine Frage irgendwo tägliche Standups mit Microsoft-Teams. Was wir jetzt machen ist, dass wir einfach einmal pro Woche informell ohne Agenda / zusammen in dem Sinn bei einem Feierabendbier ein wenig diskutieren. Also muss man das bewusster gestalten, als wenn man zusammen physisch am gleichen Ort arbeitet?

Hanspeter Nehmer: Auf jeden Fall. Vielleicht kann der Michi etwas sagen, weil da ist es sicher noch spannend zu hören.

Michael Schranz: Ja also bei uns ist es so, es ist wirklich so, ich glaube jeder Mitarbeitende oder ich, wo quasi das Unternehmen irgendwo durch führt, hat ja das Bedürfnis für Business-Kommunikation, das ist der eine Teil, der ist sicher wichtig. Und da hat man vorher etablierte Sachen gehabt, Meetings, Dokumente, gesharte Sachen, wo es sicher bessere und weniger gute Tools gibt für so eigentlich quasi Teams, die eben remote sind. Auf der anderen Seite hat man wirklich auch das Bedürfnis nach informeller Kommunikation und Interaktion, habe ich das Gefühl jeder Mitarbeitende und so. Und wenn man eben wie vorher das Remote-Office wie in unserer Firma einfach auf freiwilliger Basis jedem überlässt, hat man zwar nachher schon alle Tools, das die in allen Sachen partizipieren können, die sind schon in Place.

Auch schon vorher unser Team-Meeting war sowohl physisch, wie auch virtuell über Google Hangout. Alle diese Sachen sind gespiegelt auf kollaborativen Plattformen, wo wir unsere Dokumente teilen, wo alle im gleichen Dokument arbeiten und so weiter. Also diese Tools waren schon, aber vor dieser erzwungenen Home-Office-Situation konnte jeder seine informellen Bedürfnisse glaube ich gleich noch im direkten, physischen Kontakt befriedigen. Also ich. Ich konnte trotzdem im Office mit dem mal reden, hier, da mal informeller Chat und so weiter. Und weil das jetzt nicht mehr so möglich ist in dem Ausmass, haben wir doch auch zusätzliche Sachen integriert, informelle, extra informelle Chats wie ein Thirsty-Friday, wo man gemeinsam ein Feierabendbier nimmt. Wie eben, dass man gemeinsam an einem Game spielt, wir haben ein eigenes Game, das wir entwickeln, wo man wie zu dieser Zeit sind alle in diesem tap, tap, win, win und zusammen ein wenig gamen.

Gleichzeitig ist das Chat-Fenster auf. Wir haben Yoga, was wir auch vorher physisch hatten, einmal in der Woche, haben wir auch digitalisiert, dort beim Yoga kann man sich wieder einmal, ja weil die Bewegung ist ja genauso auch das Problem seitdem. Du bleibst jetzt zuhause, also ich spüre es bei mir. Ich muss mich wirklich zwingen. Vorher habe ich meine 10’000 Schritte gemacht auf dem Weg auch zum Büro und wieder nachhause. Jetzt muss ich mich zwingen, dass ich halt bewusst für eine Telko jetzt nicht gerade diese, dass ich nachher spazieren gehe und diese unterwegs mache oder so. Ja es ist schon eine neue Situation, die zusätzliche Sachen bedarf, zu dem, was wir vorher schon hatten. Wir haben sicher das Glück, dass wir schon vorher das remote sehr gut ermöglicht haben, aber jetzt hat es schon auch zusätzliche Sachen, die es brauchte, die es immer noch braucht, um das Informelle so gut wie möglich abdecken zu können.

Carlo Badini: Mega spannend, weil es tut auch ein wenig das, was der Dino am Anfang gesagt hat einfügen bezüglich dass es offenbar Themen gibt, die man schriftlich abhalten kann. Es gibt gewisse Themen, die man via Videokonferenz besser abhalten kann, dann gibt es gewisse Themen, die man offenbar muss face- to-face gegenüberhocken. Also das würde mich noch wundern, was das genau für, Du hast gesagt Beziehungsthemen. Ich habe aus meiner Perspektive, aus meiner Erfahrung, ich habe Leute halt oft eingestellt über Videokonferenz. Ich musste Leute auch schon entlassen über Videokonferenz, ganz mühsame Lohngespräche  über Video. Also ich habe schon ziemlich von all diesen mühsamen Gesprächen, oder anspruchsvollen Gesprächen, die man hat im Alltag als Manager,  durfte ich glaube ich schon alles virtuell abhalten. Und es hat eigentlich immer gut funktioniert.

Was sich bei uns extrem etabliert hat, und das ist auch eine Frage, die gestellt wurde im Chat, bei uns hat sich wahnsinnig etabliert Videobotschaften zu verschicken. Also was wir gemerkt haben, es gibt gewisse Themen, die eignen sich sehr gut um niederzuschreiben. Das sind meistens irgendwie sachbezogenen Themen. Dann kann man es einfach wieder schnell durchlesen und die Informationen retrieven. Aber dann sobald es ein emotionales, geladenes Thema ist und es Finesse braucht bei der Kommunikation, dann rentiert es sich und das machen wir eigentlich konsequent immer so, ein Video aufzunehmen und das Video nachher zu verschicken. Dann ist man immer noch in der asynchronen Kommunikation, das kann man konsumieren wann man will und wann man Zeit hat und gleichzeitig kann man aber so die zusätzliche Mimik und Gestik rüberbringen. Wie habt Ihr es?

Dino Graf: Ich glaube Carlo der Unterschied zwischen Dir, wo eigentlich immer remote gearbeitet hat und Deinen Teams, die sich vielleicht an das gewöhnt sind und bei uns halt ein wenig eine gestandene Firma mit einer 75-jährigen Geschichte, das wir als Führungskräfte das nicht gewöhnt sind, dass wir mit diesen Kanälen arbeiten und gewisse Diskussionen mit diesen Kanälen auch führen können. Und dass wir uns auch als Führungskraft vielleicht wohler fühlen, wenn ich effektiv mit diesen Mitarbeitenden reden kann, wenn es darum geht, wie man, ich sage jetzt eine Teambeziehung ausbaut oder aufbaut oder wenn etwas einmal nicht ganz so gelaufen ist, wie es hätte sollen.

Dann bin ich mich halt gewöhnt, ich glaube meine Mitarbeitenden waren sich das auch gewöhnt, dass man so etwas im physischen Kontakt, in einem Raum ausdiskutiert. Und wenn man aus dem Raum rausgeht, dann ist es klar und es stimmt für alle also von dem her. Video ja das ist ein Instrument, das haben wir immer schon gebraucht in den letzten Jahren auch für Mitarbeitende um auf gewissen Themen vorzubereiten. Es ist auch ein Kommunikationskanal, das unser CEO monatlich braucht. Es gibt so den Mortens-Update von Morten Hannesbo, wo er einfach jeden Monat mindestens zu einem Thema sich gegenüber den Mitarbeitenden äussert. Wenn es dann so Weisungs-Level hat oder Richtlinien-Level, dann ist es natürlich bei uns weiterhin immer noch schriftlich.

Hanspeter Nehmer: Ich glaube Emotionen hast ja Du vorher ins Wort genommen Carlo und ich glaube genau darum geht es ja. Du musst den Informationskanal dort wählen, wo du eben diese Botschaften, die du da senden willst, dann auch richtig ankommen. Und ich glaube so zwischenmenschliche Themen, die funktionieren halt am besten im physischen Meeting. Und dann gibt es halt das Video, wo man eben noch mehr transportieren kann und unser Podcast, eben das Radio, hat eigentlich nichts anderes zum Zweck, um eben auch Emotionen rauszugeben, um diese Leute, die jetzt in diesen Home-Office sind zu verbinden miteinander, Stimmen zu hören und zu spüren auch ah dieser Person geht es jetzt gut oder vielleicht nicht so gut.

Oder auch Geschäftsleitungsmitglieder, die sich hier äussern können. Auch einmal etwas Persönliches von sich geben können, wo man sonst eben nicht so macht. Also ich glaube das ist eine Chance jetzt auch, weil man neue Tools ausprobiert hat.  Und ich bin da wie Dino wir sind 125 Jahre als Gesamtkonzern, in der Schweiz sind wir noch nicht so alt, aber wir sind natürlich auch eher auf dem Traditionellen zuhause und trotzdem hat doch auch die Teams was ich jetzt gehört habe, sehr viele Sachen sind jetzt passiert miteinander, die chatten miteinander, die haben irgendwo eben auch so Feierabendbier- und Gin-Treffen und weiss der Geier, was da alles kommt. Ich habe sogar gehört die einen haben Kostümveranstaltungen gemacht. Das ist jetzt entstanden, was vorher sehr wahrscheinlich nicht passiert wär. Es wäre niemand mit dem Cowboykostüm in die Firma gekommen zum Beispiel.

Carlo Badini: Als abschliessende Frage, wir sind schon eine halbe Stunde dran. Jetzt Ihr persönlich, aber auch Eure Teams, was habt Ihr das Gefühl, seid Ihr produktiver, weniger produktiv, etwa gleich produktiv als vorher? Michi?

Michael Schranz:  In gewissen Bereichen vielleicht ein bisschen weniger und in gewissen Bereichen mehr. Ich habe es bei mir selber gemerkt, zum Beispiel wo ich ein Jahr am Reisen war und habe mit meinem Team trotzdem den Job von Marketing und Sales übernommen, habe ich gewisse Themen viel effizienter abgearbeitet. Zum Beispiel konnte ich dann massiv mehr Blogs schreiben, weil ich dann ruhiger für mich in einem Raum war. Und viel weniger Störungen so hatte. Aber habe vielleicht weniger effizient eben vielleicht die zwischenmenschlichen Issues im Team oder im Gesamtunternehmen oder solche Bewerbungsgeschichten oder Mitarbeitersachen all diese Sachen sicher viel weniger effizient spüren können, managen und nachher auch Einfluss darauf nehmen. Darum ist es schwierig zu sagen grundsätzlich sind wir produktiver oder nicht. Es hat viel mit externen Faktoren zu tun eben wie ist die Auftragslage und so weiter. Wir haben das Glück, dass wir wirklich ja in diesem Digitalisierungsthema ein Angebot haben. Wir entwickeln Software, Digitalisierungsstrategien, helfen und Firmen beraten, wie sie sich digitalisieren können. Und entsprechend haben wir eigentlich dort von der Auftragslage her sicher nicht weniger zu tun, sondern mehr. Und wenn wir die gut ausspielen können wir auch die Produktivität in diesem Sinne eine schöne machen. Aber das so generell zu zusagen, ist ein wenig schwierig, sage ich einmal. Aber ich gebe gerne an den Hanspeter weiter, wo da vielleicht eine ganz klare Aussage machen kann.

Hanspeter Nehmer:  Jetzt übergibst Du mir gerade die heisse Kartoffel. Das ist eine gute Frage, weil diese Frage stellen wir uns natürlich auch bei uns, sind wir produktiver als vorher? Ich kann diese Frage im Moment nicht so beantworten. Ich kann es vielleicht aus meinem eigenen Umfeld beantworten, wenn ich mit meinen Teammitgliedern oder vielleicht auch anderen aus dem Unternehmen am reden bin. Was sicher feststellbar ist: Die Tage sind länger. Also man arbeitet mehr, also so nehme auch ich es wahr im Moment. Ich arbeite mehr als vor der Corona-Krise. Warum?  Weil halt die Tage länger sind, um diese Leute auch alle irgendwo zu erwischen. Die kannst du halt nicht dann erwischen, wenn es dir gerade passt. Das ist einmal das Eine. Und das Zweite, was ich höre, gerade Eltern, die jetzt die Kinder zuhause haben und das Home-Schooling haben, ja die haben halt diese Kinder und dann geht es halt erst einmal um das Kind und dann vielleicht im Zweiten um die Allianz. Und ich glaube das ist auch gut so im Moment. Aber ob das dann auf die längere Dauer so gehen würde, ist eine ganz andere Frage. Aber im Moment ist das halt einfach so und ich höre jetzt auch von den Teammitgliedern, die Kinder haben, die sagen dann muss ich halt einmal unterbrechen. Sage ich, ist fine, ist auch richtig so. Und dann klinke ich mich am Abend dann wieder rein. Also auch die arbeiten länger. Und das muss man sich einfach bewusst sein. Ist für alle glaube ich eine ziemlich ausserordentliche Situation.

Carlo Badini: Dino willst Du abschliessen?

Dino Graf:  Also dann nehme ich die heisse Kartoffel und ich gebe eine ganz klare Antwort.: Jein. Und zwar in dem Moment, wo ich an einem Projekt arbeite, wo ich mich konzentrieren muss an einem Text, an was auch immer. Also wo ich gerne einmal kurz ungestört bin, bin ich definitiv produktiver. Eben ich bin ungestörter. In dem Moment, wo ich aber mit dem Team arbeite, wo Journalistenanfragen kommen jetzt in meinem Job und ich das mit anderen Units abchecken muss, ist es natürlich wesentlich aufwändiger. Und dann würde ich sagen, bin ich nicht produktiver. Also es gibt Aufgaben, wo du im Home-Office produktiver bist und es gibt andere Aufgaben wo du im Team im Büro produktiver bist. Und wir haben diese Frage bekommen: Wie hoch schätzen wir den zukünftigen Anteil an Home-Office. Das ist gerade noch einmal solch eine Jein-Frage. Das wird abteilungsabhängig sein, das ist eine Frage wie sich der Vorgesetzte zum Thema Home-Office stellt. Ich für mein Team würde sagen wir werden wahrscheinlich wieder zwei Drittel im Büro sein, ein Drittel im Home-Office. Und dann habe ich das Gefühl haben wir für unsere Tätigkeit die optimale Balance in Sachen Produktivität.

Carlo Badini: Okay, Michael Ihr wart ja schon remote. Gibt es bei Euch Unterschiede, wie es sich wird, geht Ihr wieder back to-?

Michael Schranz:  Wir haben vorher niemandem vorschreiben wollen, wo er zu arbeiten hat. Und wir werden es auch nachher nicht. Mir werden aber jetzt auch nicht unser Main-Office quasi verkleinern, weil man das Gefühl hat jetzt kommt dann niemand mehr. Weil man hat gesehen es geht super zuhause. Das ist bei uns für die Leute offen, wir haben dort eigentlich eine sehr demokratisch aufgestellte Firma, wo jeder mitredet, wie man das weitergestalten will oder weiterentwickeln. Wir haben sicher alle jetzt gespürt, was ist möglich auch, mit wie viel Distanz und wie kann man das managen. Aber wir haben jetzt nicht vor das anders zu regeln in Zukunft. Man hat schon immer die Möglichkeit gehabt von egal wo eigentlich zu arbeiten. Und das wird man auch in Zukunft können.

Carlo Badini: Hanspeter was hast Du das Gefühl bei Euch?

Hanspeter Nehmer: Also ich äussere jetzt einmal eine Hypothese. Ich glaube es wird mehr sein in Zukunft. Weil ich glaube den wichtigsten Punkt habe ich ja immer Interview schon gesagt.: Der Damm ist jetzt gebrochen. Wir hatten immer noch sehr viele Führungskräfte, das muss man selbstkritisch jetzt auch sagen, bis rauf in die Geschäftsleitung, die eigentlich von diesem Home-Office nicht so überzeugt waren vor Corona, die immer das Gefühl hatten, ja diese Leute, die arbeiten doch dann nicht, sondern die machen sich einen schönen Tag, was jetzt eben nicht der Fall ist. Und diese Vorteile von diesem Home-Office ist halt schon auch der, diese Reiserei, die wegfällt et cetera, et cetera, muss ich jetzt nicht alles aufführen. Ich glaube schon. Wir werden zukünftig vermehrt Home-Office haben in der Firma auch in unterschiedlichen Bereichen. Was ja auch noch spannend ist, eine Aussendienstorganisation, wo ja eigentlich der physische Kontakt mit dem Kunden in erster Linie pflegt, wo ja sehr betroffen waren, gerade mit diesem Lockdown, wo dann plötzlich keine physischen Kundenkontakte mehr hatten, auch die sind plötzlich umgeswitcht auf Videoberatung und es hat funktioniert. Oder sind dann via Chat auf die Kunden zu. Das hat funktioniert und ich glaube auch in der Aussendienstorganisation wird es da auch irgendwie Veränderungen geben in diese Richtung.

Carlo Badini: Ist super, dass Du sagst die Geschäftsleitung war kritisch und du zählst Dich nicht dazu.

Hanspeter Nehmer: Nicht alle. Einer kommt mir jetzt so in den Sinn, ich nenne keine Namen natürlich. Dort wird jetzt irgendetwas schon passiert sein, glaube ich auch, weil diese Person, jetzt Frau oder Mann ist jetzt egal, sonst würde man es dann schnell herausfinden, ob Frau oder Mann, auch diese Person ist zuhause im Home-Office. Und es funktioniert gut.

Carlo Badini: Super. Ich schau nur gerade schnell die Fragen durch. Wir haben das meiste glaube ich beantwortet. Ich glaube wir haben so weit, haben wir alle Fragen ich glaube während dem Interview relativ gut beantworten können. Da haben wir noch eine letzte und ich glaube das ist eine super abschliessende Frage von Doris Albisser: Könnte es sein, dass längerfristig Organisationen flachere Führungsstrukturen einführen? Ich glaube jetzt auch bedingt durch, und das kann ich insofern bestätigen, weil das bei uns zumindest auch so ist. Es nimmt mich Wunder, wie es beim Michael ist. Mit einer remote-ausgelegten Firma geht meistens solch eine flache Hierarchie Hand in Hand oder respektive Self-Management Hand in Hand, wo man doch relativ viel Kontrolle abgibt und das würde mich wundern, wie seht Ihr das?

Michael Schranz: Also ich persönlich habe das Gefühl, das hat mehr mit Vertrauen und Empowerment zu tun. Und ja wenn man Empowerment gleichsetzt mit Hierarchie, dann könnte man das so sagen, aber das finde ich nicht. Ich glaube es spielt auch nicht unbedingt eine Rolle, ob du remote bist oder ob man sich als physische Firma sieht, was für eine Hierarchie oder Organisationsstruktur man hat. Dass Remote-Office das Vertrauen von den Führungskräften erwartet, dass der Mitarbeiter nicht nur Seich erzählt, sondern wirklich auch mitarbeitet, glaube ich schon und wenn man nicht so weit ist, dann hat man sowieso ein Unternehmensproblem. Aber das für mich nicht so viel mit Hierarchiestufen zu tun, ganz ehrlich. Ist meine Meinung.

Hanspeter Nehmer: Ich würde das eigentlich gerade übernehmen Michi. Wo wir ja auch aus solch einem traditionellen Umfeld kommen. Ich würde jetzt behaupten wir haben eine relativ flache Hierarchiestufe. Aber ich glaube das, was Du sagst, ist eigentlich entscheidend. In der Führung hat sich, wird sich noch mal einiges verändern durch das, was wir jetzt selber erleben. Ich glaube das ist entscheidend, das Thema Vertrauen. Vertrauen geben, Vertrauen schenken, diese Selbstverantwortung auch wirklich selber leben zu können, nicht nur, wie sagt man, auf unseren schönen Folien zu zeichnen und sagen: „Hey lieber Mitarbeiter, sei mutig, handle selbstverantwortlich.“ Das hat er jetzt oder sie selber gemacht in dem Sinn, in dem sie nämlich zuhause Verantwortung übernommen hat und geschaut hat, dass das alles funktioniert. Das ist sicher viel passiert und ich glaube da reden wir nicht mehr über Hierarchien, sondern es geht eben um das Haltungsthema. Bin ich bei Dir.

Carlo Badini: Dino willst Du das letzte, wichtig gewichtete Abschlusswort bilden?

Dino Graf: Ach das ist jetzt wieder eine Aufgabe. Ich glaube es gibt so wie einen Unterschied zwischen strukturellen Hierarchiestufen, wie sie zum Teil noch in den Organigrammen sind und auf der anderen Seite, wie es im Unternehmen dann auch gelebt wird. Wir haben ein Organigramm mit Führungsstufen, aber wir haben auch festgestellt, dass die Mitarbeiter heute so empowered werden, dass sie, egal welche Hierarchiestufe sie haben, wenn sie Kompetenz haben und Qualitäten, sich einem Thema anzunehmen und dort eine Führungsrolle zu übernehmen, dann findet das statt. Egal welche Führungsstufe diese Person heute hat.

Carlo Badini: Super. Das waren gute Abschlussworte. Ich bedanke mich. Wir sind auf die Minute genau. Haben wir 45 Minuten gemacht. Ich glaube das ist gerade wunderbar aufgegangen. Ich danke Euch dreien vielmal für das Mitmachen.  Ich danke den Participants, dass sie mitgemacht haben. Merci vielmal für die Fragen.  Ihr könnt den Upload, sobald wir das heraufgeladen haben, könnt Ihr auf der SEF-Talk-Website nachschauen, wenn Ihr wollt.  Jetzt müsste ich da schnell die Notizen hervorholen, dass ich nichts zu sagen vergesse. Der nächste SEF-Talk findet heute in einer Woche statt zur gleichen Zeit. Um vier Uhr. Das Thema wird sein: Kultur und Kommunikation. Und wer dort mitmachen wird, werden wir in den nächsten paar Tagen noch sagen, kommunizieren. Mehr Informationen zu all dem findet Ihr auf swisseconomic.ch/seftalk. Also könnt Ihr Euch schon jetzt registrieren für die nächste Session nächsten Donnerstag. Und wenn Ihr noch mehr Informationen wollt zum Thema Remote-Work und wie Ihr das bei Euch einsetzten könnt und der Firma findet Ihr das unter cleverclipstudios.com/remoteworkguidefürunternehmen. Dort findet Ihr einen Guide, der von uns erstellt wurde, wo wir durch die einzelnen Themen nochmals schriftlich durchführen. Merci vielmal an die Participants und an alle, die mitgemacht haben. Ich gebe noch schnell ein Abschlusswort an Euch drei.

Hanspeter Nehmer: Ich sage nur eins:  Bleibt gesund es hat viel Spass gemacht ein solches neues Experiment einmal auszuprobieren. Aber eben bleibt gesund. Das ist das Wichtigste.

Dino Graf: Genau das kann ich auch bestätigen. Bleibt gesund und bis bald wieder.

Michael Schranz: Merci vielmal für das Zuhören und damit Ihr gesund bleiben könnt, geht raus und umarmt einen Baum, das wird allen empfohlen,  ein super Tipp, den ich nur so unterschreiben kann.

Carlo Badini: Ich schliesse mich an, bleibt gesund, Yoga oder Meditation hilft auch, vielleicht können wir bei Apps with Love nächste Woche auch mitmachen bei der Online-Session. Merci vielmal an alle. Und einen ganz schönen Abend noch. Tschüss zusammen.

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