Schlechtes Content Marketing oder Generation Goldfisch?
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Schlechtes Content Marketing oder Generation Goldfisch?

Natalie Ediger Von Natalie Ediger

Goldfisch Generation

Der harte Kampf im heutigen Content Marketing 

Keine Lust auf Lesen? Hier geht’s zum Podcast “Schlechtes Content Marketing oder Generation Goldfisch?”.

Es fällt Ihnen immer schwerer Kunden mit Ihrem Content Marketing zu erreichen? Ihnen hört niemand zu? Ihre Blogposts liest keiner? Auf Ihren Social Media Kanälen tummeln sich schon Spinnennetze und Düfte der Verwesung? Ihre Conversions nehmen weiter ab? Dann sollten Sie eins wissen: Damit sind Sie nicht alleine! Nichtsdestotrotz muss sich etwas ändern. 

Bevor Sie sich aber hoffnungslos an den Kopf fassen und verzweifelt versuchen Ihre gesamten Marketingaktivitäten umzukrempeln, sollte erstmal die Ursache für das Problem verstanden werden. Denn vielleicht ist es gar nicht Ihr eigenes Vergehen. Zumindest nicht zu 100%. Schuld ist die “Generation Goldfisch”. Nein, keine Kaltwasseraquaristik, sondern das bekannte Phänomen des digitalen Zeitalters… 

Die Generation Goldfisch- 8 Sekunden und das war’s

Wir beziehen uns dabei nicht auf eine Neuverfilmung von “Findet Nemo” mit einem Goldfisch als Hauptrolle. Die “Generation Goldfisch” bezeichnet den drastischen Rückgang unserer Aufmerksamkeitsspanne im digitalen Zeitalter auf gerade mal 8 Sekunden. Als Vergleich: Im Jahr 2000 lag diese noch zumindest bei 12 Sekunden.

Die Ergebnisse stammen aus einer Studie des Software Konzerns Microsoft, bei welcher insgesamt 2000 Kanadier befragt und getestet wurden. Bei 112 Teilnehmern wurden verschiedene Tätigkeiten mit Medien mit Hilfe eines EEGs erfasst. Generell werden 3 Arten von Aufmerksamkeit unterschieden: Die “kontinuierliche Aufmerksamkeit” bezieht sich auf die Fähigkeit sich auf eine Sache ohne Ablenkung zu konzentrieren. Die “selektive Aufmerksamkeit” bezieht sich darauf trotz bestimmter Reize die Aufmerksamkeit nicht abschweifen zu lassen. Eine letzte Form ist die “alternierende Aufmerksamkeit”, welche sich auf eine Form des Multitaskings bezieht, also mit höchster Konzentration zwischen unterschiedlichen Aufgaben zu wechseln.

So, warum also Goldfisch-Generation? Weil der Goldfisch mit einer Aufmerksamkeitsspanne von 9 Sekunden uns sogar überholt hat. Richtig. Der Goldfisch hat uns überholt. Grund zur Sorge? Hm… vielleicht. 

Illustration Generation Goldfisch

 

Die Ära der  “Reizüberflutung”

Laptop auf dem Schoss, der Fernseher läuft nebenbei, das Handy in kurzer Reichweite auf der Couch. So lässt es sich der 0815 Vertreter der Goldfisch Generation gut gehen. Von allen Seiten werden wir mit Werbung bombardiert. Alles wird schneller, die Zeit wird enger, nichts kann warten. Willkommen im Zeitalter der Reizüberflutung! Der Begriff “Reizüberflutung” bezeichnet die Situation, wenn das Gehirn mehr Reize aufnimmt als es verarbeiten kann. Grund für die Reizüberflutung sind zum einen die Verfügbarkeit einer Vielzahl von Kommunikationskanälen und zum anderen das stetig wachsende Informationsangebot.  

Werbebanner, Flyer, TV Werbung, Facebook, Insta, TikTok, Tablet, Smartphone… überall werden wir ständig mit Informationen konfrontiert. Weltweit 500 Millionen Tweets, 500 Millionen Insta Stories und 350 Millionen Facebook Fotos. Täglich. In Deutschland beispielsweise zählen Wissenschaftler 6000 Werbekontakte und 11 Mio. Reize pro Sekunde. Ein durchschnittlicher Büromitarbeiter überprüft sein Email Postfach ca 30 mal pro Stunde. Wir greifen ca 1500 mal zum Telefon in nur einer Woche

Und Die Studie von Microsoft erklärt, dass vor allem folgende Gruppen von den Aufmerksamkeitsdefiziten betroffen sind:

  • “Early Adopters” (Personen, die bereits im sehr frühen Alter mit der Technik in Kontakt treten).
  • Intensive Social-Media-Nutzer.
  • Personen zwischen 18 und 24 Jahren.
  • Menschen mit allgemein hohem Medienkonsum.

Während viele von uns einen Langstreckenflug früher als angenehm empfanden, schaffen es die meisten von uns heute gar nicht mehr ruhig zu sitzen. Das Smartphone 10 Stunden auf Flugmodus? Keine Sozialen Netzwerke? Das geht doch gar nicht! Und muss auch nicht, denn es gibt ja schliesslich jetzt auch Inflight WLAN. Damit die Reizüberflutung auch über den Wolken weitergeht. 

An der Kasse zappeln wir bereits, wenn sich nur 2 Personen vor uns tummeln. Lädt das Video nicht innerhalb der ersten 3 Sekunden auf Youtube, sind wir schnell wieder weg. Denn wir haben weniger Zeit und viel zu viele Informationen. Wenn man so darüber nachdenkt, ist die geringe Aufmerksamkeitsspanne eigentlich kein verwunderliches Phänomen. Unser Gehirn wird von allen Richtungen überflutet. Denken Sie an einen Eimer der ununterbrochen mit Wasser gefüllt wird: Was passiert? Richtig, es läuft über.

Was passiert mit einem überfluteten Gehirn? Boom! Information-Overload! Na gut, eine Explosion à la Zeichentrickfilm mag es jetzt nicht geben, aber das Gehirn muss all diese Informationen innerhalb kürzester Zeit auswerten und miteinander verknüpfen. Das alles resultiert in viel Ablenkung und Produktivitätsverlust.

Warum verlieren Sie also das Publikum?

Bevor aus dem Gehirn eine Knallgasreaktion wird, aus welcher unzählige “Daumen hoch”, Tweets und Werbung prasseln, schützt es sich. Unser Gehirn sortiert, bereits bevor wir Informationen bewusst wahrnehmen können, wichtige von unwichtigen Inhalten. Der sogenannte “Thalamus” entscheidet welche Informationen uns also erreichen und welche nicht.

Und genau das macht es für das Content Marketing so schwierig: Dieser Information-Overload resultiert darin, dass die Verbraucher in ihren Entscheidungen überfordert sind und keine gut begründete (Kauf-)Entscheidung mehr treffen können. Die Wahrnehmung des Konsumenten nimmt ab und so blendet das Gehirn der Verbraucher viele Werbeinformationen unbewusst im Vornherein aus, da sie offensichtlich keinen Mehrwert erbringen.

Die kürzere Aufmerksamkeitsspanne heisst natürlich nun auch, dass wir immer weniger Zeit haben, um den Kunden für uns zu gewinnen. Nicht nur das: Wir müssen uns innerhalb der Reizüberflutung auch noch gegenüber der Konkurrenz durchsetzen. Unsere Informationen müssen zu den Informationen gehören, welche das Gehirn des Kunden als “wichtig” kategorisiert. Denn nur so gelingt es uns die Marke im Langzeitgedächtnis des Konsumenten zu platzieren. Grund zum verzweifeln? Nein. Aber ein Umdenken im Content Marketing ist in der Tat gefragt! 

Content Marketing für Goldfische

Obwohl wir mit Inhalten bombardiert werden und unsere Aufmerksamkeitsspanne abgenommen hat, ist noch nicht alles vorbei. Denken Sie an Folgendes: Uns fällt es zwar in der Tat schwerer sich im Meeting zu konzentrieren, aber wir schaffen es trotzdem einen 1,5 Stunden Film auf Netflix anzuschauen. So ganz hoffnungslos scheint es also nicht zu sein.

Und genau das ist der springende Punkt: Unser Gehirn wird im Zuge der Reizüberflutung selektiver. Wir können uns durchaus fokussieren. Aber unser Gehirn möchte sich nicht fokussieren. Zumindest nicht wenn der Inhalt keinen entscheidenden persönlichen Mehrwert liefert. Und genau das muss auch im Content Marketing berücksichtigt werden. Wir brauchen Inhalte, die aus der Masse herausstechen und vom Gehirn als wichtig eingestuft werden. Inhalte, die anders sind. Kein 0815. 

Die Content Marketer von heute müssen über den Tellerrand hinausschauen. Unabhängig von der Branche müssen die Inhalte sinnvoller und interessanter werden. Abwechslungsreicher. Und vor allem: Persönlicher! 

Anstelle von textbasierten Inhalten, sollte man auf visuelle Inhalte setzen. Anstelle von statischen auf interaktive. Denn unser Gehirn verarbeitet Bilder generell 60.000 mal schneller als Text. Und durch die aktive Teilnahme am Geschehen werden mehrere Sinne gleichzeitig angesprochen. Dadurch können Informationen besser im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden. In diesem Zusammenhang fällt immer wieder dasselbe Stichwort: Storytelling. Geschichten ermöglichen es narrative Teile des Gehirns anzusprechen, wodurch wiederum Botenstoffe aufgebaut und bestimmte Synapsen gebildet werden. Emotionen werden geweckt. Eine Bindung zum Publikum aufgebaut.

Die Generation Goldfisch: Fazit

Wenn Sie es bis hierhin geschafft haben, dann herzlichen Glückwunsch! Ihre Aufmerksamkeitsspanne liegt vielleicht sogar über 8 Sekunden. Aber dann haben Sie auch hoffentlich das Problem erkannt. Wir stehen vor einer neuen Herausforderungen, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen und sich gegenüber der Konkurrenz durchzusetzen. 

Die Verbraucher stehen unter dem Einfluss des digitalen Zeitalters und jetzt ist es Ihre Aufgabe durch diese Informationsflut mit Ihrer Marke durchzubrechen und so die Gunst des Publikums mit atemberaubenden Content Marketing wieder zurückzugewinnen. Und dafür bleibt Ihnen nicht mehr viel Zeit. Oder möchten Sie etwa gegen einen Goldfisch verlieren…? 

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