Generatives Design: Künstliche Intelligenz (KI) im Design
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Generatives Design: Künstliche Intelligenz (KI) im Design

Natalie Ediger Von Natalie Ediger
Kreativer Prozess

Generatives Design - Illustration

Für die einen das Zukunftspotenzial schlechthin, für die anderen lediglich eine Trenderscheinung des digitalen Zeitalters, kombiniert mit ein wenig Hollywood-Science Fiction, ein paar Knöpfen und Spielereien. Die Rede ist hier von der künstlichen Intelligenz (KI). Die KI ist ein breit gefächertes Thema mit vielen verschiedenen Teilbereichen in vielerlei Branchen. Wir bei Cleverclip sind Experten im Bereich Design und möchten uns deswegen vor allem dem Thema “generatives Design” widmen. Wie wird die KI Designprozesse in Zukunft beeinflussen? Welche Chancen ergeben sich? Mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen?

Was ist künstliche Intelligenz (KI)?  

Die meisten von uns sind bereits irgendeiner Form begegnet, beispielsweise in Form von Chatbots im Kundenservice oder beim Abspielen der Lieblingsplaylist von Alexa. Und wir alle haben bestimmt auch schon Siri beleidigt oder ihr unsere ewige Liebe gestanden. Künstliche Intelligenz ist aber in der Tat nicht nur unterhaltsames Science-Fiction-Getue. 

Die KI ist ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit der Automatisierung intelligenten Verhaltens beschäftigt. Dabei simuliert sie menschliche Intelligenz mit Maschinen, insbesondere Computersystemen, um auf eine einfache Art anspruchsvolle Probleme zu lösen. Hierbei werden vor allem Algorithmen eingesetzt, die das intelligente menschliche Verhalten imitieren können.

Was ist generatives Design? 

Generatives Design als Teildisziplin der künstlichen Intelligenz umfasst einen Gestaltungsprozess, bei dem das Produkt nicht direkt durch den Designer erzeugt wird, sondern mit Hilfe eines programmierten Algorithmus. Damit wir uns das etwas besser vorstellen können, blicken wir am besten auf einige Beispiele.

Airbus entwickelt mit Hilfe eines generativen Designs die Kabinen-Trennwand für den A320. Nach Angabe der Abmessungen und Lastvorgaben erstellt eine intelligente Software passende Design-Optionen. Die BMW-Tochter Designworks nutzt ähnliche Verfahren für die Konstruktion und Formgebung von Felgen und Sitzen. Und Nutella hat mit der “Nutella Unica”-Aktion im Jahre 2017 mittels KI gestützten Algorithmen über 7 Mio. Produktgläser erstellt, alle im individuellen Design. Die Kampagne ging auf Social Media viral, Fans der Marke teilten über 10.000 eigene Videos und alle 7 Mio. Gläser wurden innerhalb von 4 Wochen verkauft. Beweis genug, wie viel Potenzial die KI im Designbereich hat.

Generatives Design: Potenziale

Die künstliche Intelligenz ist nicht nur für Global Player interessant. Gerade mit dem Fortschreiten der Technologie und den immer grösseren Möglichkeiten innerhalb der künstlichen Intelligenz können verschiedene, kleinere Designprozesse optimiert werden. 

Steigende Produktivität 

Wir alle kennen sie, diese nerven- und zeitraubenden Aufgaben, die einfach gemacht werden müssen. Im Designprozess ist das nicht viel anders. KI-gestützte Programme können genau hier Abhilfe schaffen und die Designer bei bestimmten Routineaufgaben unterstützen. 

Gleichzeitig lassen sich spezielle Designsysteme, Komponenten und Styleguides schnell generieren, die sich für verschiedene Prozesse schnell anpassen und im gesamten Team nutzen lassen. So verwendet Disney beispielsweise seit dem Oscar-gekrönten Kurzfilm “Im Flug erobert” die teilautomatisierte Technologie “Mäander” zum Ausfüllen von Animationsbildern. 

Designer und Entwickler könnten die genauen Inhalte, den Kontext und die Benutzerdaten definieren, während eine Plattform das Design unter Verwendung von Prinzipien und Mustern zusammen stellt. Dies ermöglicht effizientes Arbeiten und bietet den Designern mehr Zeit sich auf andere kreative Prozesse zu konzentrieren. 

Personalisierung von Inhalten 

Individuell angepasste Inhalte sind eines der grössten KI-Potenziale insbesondere im Hinblick auf die User Experience. Auf den sozialen Netzwerken, beispielsweise, analysieren Algorithmen unser Nutzerverhalten und zeigen darauf basierend einen personalisierten Feed an. Insbesondere im Bereich der Design-Psychologie kann die künstliche Intelligenz enorm zum Markenerfolg beitragen. Die KI kann mit Hilfe eines bekannten Musters vielfältige Variationen kreieren und somit individuelle Designs erstellen. 

Ein Beispiel hatte ich bereits vorher erwähnt: Nutella nutze einen Algorithmus, um für jeden Verbraucher ein individuelles Packaging zu erstellen. Der Webpage Builder Wix soll wohl mit Hilfe eines Algorithmus jedem Nutzer ermöglichen eine eigene atemberaubende Webpage zu erstellen. 

Hierfür werden dem Website-Besitzer ein paar einfache Fragen gestellt, um mehr über seine Bedürfnisse zu erfahren. Der Algorithmus wählt dann zwischen Milliarden von Variationen aus, um in wenigen Minuten eine einzigartige Website zu erstellen. Das ganze Konzept soll wohl noch nicht ganz so stehen und einige Mängel beinhalten, aber klingt für den Anfang doch schon sehr vielversprechend, oder nicht?

Allerdings können wir uns hier in Zukunft noch auf weitaus mehr freuen: Mit der Gesichtserkennung lassen sich beispielsweise spezielle Designs basierend auf Eigenschaften der Nutzer erstellen. 

Tests und Analysen 

KI gestützte A/B Tests ermöglichen es Designern, bestimmte Produkte in wenigen Sekunden an einer Vielzahl an Nutzern zu testen und somit bereits im frühen Designprozess Feedback zu erhalten und ggf. das Design zu optimieren. 

Hier können Funktionen, wie beispielsweise die Erkennung von Mimiken, Gesten und Eye-Tracking Heatmaps eingesetzt werden, um das Design in Hinblick auf die Benutzerfreundlichkeit zu testen.

Die KI hat also innerhalb des Designprozesses zwei wesentliche Potenziale: Zum einen in der Produktion: Hier unterstützt sie die Designer mit individuell erstellen Vorlagen, die insbesondere durch schnelle Testverfahren für die Zielgruppe optimiert sind. Auf der anderen Seite aus der Perspektive des Nutzers durch ein personalisiertes Nutzererlebnis mit zahlreichen Variationen, Gesichts- und Spracherkennung, Computer Vision und vielem mehr.

Generatives Design: Herausforderungen 

Natürlich müssen wir auf dem Boden der Tatsachen bleiben. KI ist aufregend und bietet enorm viel Zukunftspotenzial, aber sie ist noch nicht da, wo sie sein sollte bzw. wo wir sie gerne hätten. Folgende Hürden ergeben sich: 

Fehlende Differenzierung von Nuancen 

Wir lachen, wir weinen, wir sind glücklich, wir sind traurig. Emotionen machen uns zum Menschen. Die emotionale Intelligenz zeichnet uns aus. (Gut, die fehlt in der Tat bei einigen, aber Sie wissen was ich meine.;))  Wie soll ein Roboter so etwas nachahmen? Gefühle richtig zu verstehen und zu analysieren sind einer der grössten Schwachpunkte der KI.

Bewegenden Content schaffen 

Ja, die KI ermöglicht die Erstellung vielfältiger, auf den Nutzer abgestimmter Designvariationen, aber sind dies wirklich emotional bewegende Inhalte? Dies knüpft etwas an die vorherige Schwachstelle an. Denn genauso, wie die KI nur schwer Gefühle des Nutzers messen kann, ist es aus schwierig die emotionale Tiefe im Design ausdrücken. Gerade bei grossen Datensätzen wird viel mit abstrakten Elementen gearbeitet, die vielleicht als Gesamtbild ansprechend wirken, aber eben nicht die gleichen Gefühle und die Portion an Storytelling transportieren können, wie ein eigenständig gemaltes Gemälde.

Die Gefahr von Vorurteilen 

Auch haben Forscher von der Gefahr einer sogenannten “Algorithmic Bias” gewarnt. Diese könnte vor allem Diskrimierung und Rassismus verstärken, da beispielsweise aufgrund von Hautfarbe oder Gesichtszügen Entscheidungen getroffen werden. In diesem Zusammenhang wurde vom Europarat sowie neun nicht EU-Mitgliedstaaten das “Human Rights by Design” unterzeichnet. Dies fordert Designer dazu auf, individuelle Rechte sowie Gefahren für die Gesellschaft im Zusammenhang der KI-Entwicklung zu berücksichtigen. 

KI Schwachpunkte überwinden 

Wie gehen wir nun mit den vorher genannten Herausforderungen richtig um? Und wie können wir die Potenziale der KI bestmöglich nutzen. An dieser Stelle sind vor allem drei Punkte wichtig: 

Tools und Prozesse verstehen 

Alles, was neu ist, macht Angst. Nur wenn wir bestimmte Prozesse kennenlernen und verstehen wie sie ablaufen, können wir mit diesen erfolgreich umgehen und sie umsetzen. Hierzu gehört natürlich die schrittweise Auseinandersetzung mit den vorhanden Arten der KI und den Möglichkeiten sie in den eigenen Designprozess zu integrieren. 

Ethische Aspekte berücksichtigen 

Um Vorurteilen keine Chance zu geben und mit der KI nicht in die falsche Richtung zu laufen, ist es wichtig, von Anfang an ethische Prinzipien zu setzen. Vorreiter in diesem Bereich wären Google und Microsoft. Die Global Player haben bereits KI-Grundsätze aufgestellt.  

Berücksichtigung externer Faktoren 

Wer mit der KI erfolgreiche Designs konzipieren will, muss nicht nur verstehen, wie sich verschiedene Designs in Abhängigkeit bestimmter Variablen anpassen lassen, sondern auch wie sich Produkte an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzer und an die veränderte Umgebung adaptieren lassen. Flexibilität muss zu einem zentralen Designprinzip werden.  

Gefährdet die generative Gestaltung unsere Jobs?  

Wie sieht es eigentlich mit der Gretchenfrage aus? Wird die künstliche Intelligenz den Menschen ersetzen? In unserem Fall, den Aufgabenbereich des Designers streichen? Die künstliche Intelligenz kann auf den ein oder anderen beängstigend wirken. Es ist daher wichtig, sich intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen und zu verstehen, was die KI kann und was nicht. Ja, Maschinen können grosse Datenmengen analysieren, Prozesse optimieren, einfache Vorgänge übernehmen und Muster entwickeln.

Aber sie können nicht schmecken und fühlen, in die Zukunft blicken und über die Vergangenheit reflektieren. Generatives Design kann daher nicht die Arbeit des Designers übernehmen, sondern nur den Schwerpunkt verlagern. Statt sich mit standardisierten Prozessen auseinander zuschlagen, bleibt ihm so mehr Zeit, sich dem kreativen Denkprozess zu widmen. Wir sollen die Technologie nicht als Feind sehen, nicht mit Angst entgegenblicken oder gar vermuten, dass sie uns arbeitslos macht. Wir sollen sie als Unterstützung sehen, als Hilfestellung, um unsere Arbeit zu beschleunigen und perfektionieren. 

Fazit: Die Zukunft des generativen Designs

Sinnlose Science Fiction? Das ist die KI mit Sicherheit nicht. Generatives Design ist eine wegweisende Zukunftstechnologie und bietet ein enorm hohes Potenzial, insbesondere in der Optimierung und Analyse von Prozessen. Designer, die diese Chance sehen und lernen mit der KI umzugehen, werden auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben können. Andere wiederum, riskieren von Konkurrenten überholt zu werden. 

Wir leben in einem anderen Zeitalter und die Digitalisierung ist nun mal ein wichtiger Teil davon geworden. Wer die Augen nicht verschliesst und offen gegenüber dieser Veränderung ist, wird sehen, dass Roboter und Algorithmen gar nicht so gruselig sind, sondern den Menschen als freundlicher Begleiter unterstützen. Vielleicht auf andere Weise als ein Golden Retriever, aber wer weiss… 😉

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