Unvergängliches Design: Chinesische Schriftzeichen

Ein ewiger Trend

Sie haben sie bestimmt auch schon gesehen: Chinesische Schriftzeichen. Sogar in unseren Breitengraden bekommt man sie immer wieder zu Gesicht. Viele Leute verzieren ihre Autos, Wohnungen oder sogar die eigene Haut damit. Meist, ohne wirklich einen Bezug dazu zu haben. Das kann zu peinlichen Situationen führen: Gespiegelte oder auf dem Kopf stehende Symbole und falsche Übersetzungen als Tattoos sind gar nicht selten. Trotzdem: Der Trend will nie ganz verschwinden. Warum? Ganz einfach, die Zeichen sehen einfach zu gut aus!

Schwierig, schwierig

Den seltenen Fall mal ausgeschlossen, dass Sie Chinesisch beherrschen, kommt Ihnen beim Anblick solcher Symbole wahrscheinlich folgender Gedanke: „Sieht schön aus, aber ach du meine Güte, ist das kompliziert!“ Und tatsächlich, das chinesische Schriftsystem ist wahnsinnig schwierig und zeitaufwändig zu lernen. (Bild: Chinesischer Junge übt Schriftzeichen) Denn die Anzahl der Zeichen ist beachtlich: Ganze 87’000 Stück werden offiziell verwendet, wovon ungefähr 4’000 für den täglichen Gebrauch ausreichen.

In Sachen Design

Aber keine Sorge, im vorliegenden Blog geht es nicht um Sprachgeschichte und Schrifttheorie. Wir sind Experten im Erklären, in Storytelling und Design. Und darum geht es auch im vorliegenden Blog. Ganz richtig, wir wollen die chinesische Schrift im Kontext des Designs betrachten! Mit wie wenigen Mitteln anhand chinesischer Zeichen anziehendes Design geschaffen wird, ist absolut erstaunlich und kann durchaus als Vorzeigebeispiel agieren.

Symmetrie

Da wäre zum einen der Aspekt der Symmetrie. Wir Menschen sind davon angezogen. Wir sind regelrecht süchtig danach. Nur wenige von Menschenhand geschaffene Objekte besitzen nicht eine gewisse Symmetrie. Und zwar, weil es eine Eigenschaft ist, die wir allgemein als „schön“ empfinden. Die Symmetrie chinesischer Zeichen ist aber nie perfekt. Das wird einem oft erst auf den zweiten Blick bewusst. Diese – wahrscheinlich unbeabsichtigte – kleine Abweichung von der Perfektion der Symmetrie wirkt sympathisch und zieht uns an. Das ist vergleichbar mit einem Schönheitsfleck neben der Nase oder einem Seitenscheitel. Sie stören zwar die Symmetrie, doch genau dadurch wirken sie attraktiv und speziell.

Eleganz

Möchte man Chinesische Zeichen lernen, so wird man schnell zwei Grundregeln erkennen: 1. Jedes Symbol besteht aus einzelnen Strichen. 2. Kreise sind ein absolutes No-go. Diese zwei Regeln und die Tatsache, dass jedes Symbol in einem imaginären Quadrat Platz hat, sorgen für den einheitlichen Look der Schrift. Egal, ob ein Zeichen zwei oder zwölf Striche hat, man erkennt sofort, dass beide Teil desselben Schriftsystems sind. Eigentlich genial … Den zweiten Punkt muss man nicht näher erklären, doch der erste Punkt ist spannend: Also: jedes Zeichen besteht aus einer gewissen Anzahl an Strichen. Diese Striche sind aber nicht einfach gerade Linien. Sie sind elegant gebogen, mit unterschiedlichen Dicken an Anfang und Ende. Diese simple, schon fast spartanische Eleganz, die von Kalligrafie-Schülern bis zur absoluten Perfektion gepaukt wird, übt eine grosse Anziehungskraft auf uns aus.

Schlichtheit

Die Zeichen wirken zwar kompliziert, doch in Tat und Wahrheit sind die meisten davon sehr schlicht. Schaut man genauer hin, dann haben viele kaum mehr als vier oder fünf Striche. Diese Schlichtheit wirkt auch heute noch modern, 3’000 Jahre nach der Entstehung der Chinesischen Schrift. Die Symbole sind wirklich zeitlos – nicht nur in ihrem Gebrauch, sondern auch in ihrer Schönheit. Da wird mit so wenigen Mitteln und so wenig Aufwand etwas erschaffen, das jeden Betrachter in seinen Bann zieht. Darum ist es auch kein Wunder, dass die Kunst der Kalligraphie in den ostasiatischen Ländern auch in der postmodernen Zeit topaktuell ist. In einer komplexen Welt dient die Schlichtheit der chinesischen Symbole vielen Menschen als Gegenpol zur Hektik des Alltags.

Ansprechendes Design ist selten einfach Glücksache. Dahinter steckt oft viel Hirnschmalz und harte Arbeit. Auch die chinesische Schrift hatte hunderte von Jahren Zeit, sich zu dem zu entwickeln, was sie heute ist. Und sie dient nun als hervorragendes Beispiel für die Verschmelzung von Symmetrie, Eleganz und Schlichtheit. Eine Kombination von Elementen, die einfach „schön“ ist. Wer diese Schönheit in sein Leben einbringen möchte, soll das tun. Egal, ob als Wandschmuck, Autoaufkleber, Tattoo oder was auch immer. Um peinliche Momente zu vermeiden ist es jedoch empfehlenswert, wenn man sich vor dem Anbringen der Zeichen bei einem Experten über deren Bedeutung informiert. Nicht, dass man sich statt „mutiger Samurai“ die Symbole für „köstliche Nudelsuppe“ tätowieren lässt.