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Sef.Talk Remote Work – Tools und Rituale

In der letzten Episode der Sef.Talk Reihe wurde über Tools, Rituale und Arbeitsatmosphäre im Home Office diskutiert. Teilnehmer waren Carlo Badini (CEO Cleverclip), Tobias Häckermann (CEO Sherpany) und Cristian Grossmann (CEO Beekeeper). Moderiert wurde die Diskussion von Corine Blesi (Geschäftsführerin Swiss Economic Forum).

Alle vergangenen Sef.Talk Folgen finden Sie auch auf unserem Youtube Kanal. Sie haben immer noch Fragen zum Thema Remote Work? Dann kontaktieren Sie uns gerne.

Das offizielle Transkript:

Corine Blesi: So ich glaube es sind alle da. Herzlich willkommen zum vierten SEF.Talk im Kontext von Remote Work. Heute zum Thema Rituale, Tools und Arbeitsatmosphäre. Mein Name ist Corine Blesi, ich bin die Geschäftsführerin vom Swiss Economic Forum und freue mich extrem heute mit drei so tollen, spannenden Gründern und Vollblutunternehmern über das Thema Remote Work zu diskutieren. Bevor wir anfangen und bevor ich diese Herren vorstellen darf, zwei, drei kleine Punkte zum Ablauf. Wir würden es sehr begrüssen, wenn die Teilnehmer und Zuhörer aktiv mitmachen würden und zwar ist es möglich, Fragen zu stellen über die Chat-Funktion oder auch diese F&A-Funktion.  Wir werden diese im Verlauf der Diskussion aufnehmen und die Gäste werden diese auch direkt beantworten, wenn es in das Thema rein passt. Also dort kann man mitdiskutieren, man kann auch kommentieren und Fragen stellen.

Der ganze Talk, die Diskussion und der Austausch dauert ungefähr so 40 Minuten. Ich würde sagen dann starten wir. Wie gesagt, ich freue mich auf die drei Herren und ich möchte mit Carlo Badini anfangen. Er ist CEO von Cleverclip.

Cleverclip, wo auch diesen SEF.Talk produziert, schon zum vierten Mal und in diesem Sinne  ein herzliches Dankeschön auch an Carlo und an sein Team. Wir haben alle Gäste gebeten, dass sie uns ein kleines Statement zum Thema Remote Work abgeben, was für sie wichtig ist. Und Carlo hat uns geschrieben er ist absolut überzeugt, dass Remote Work die Zukunft vom Zusammenarbeiten sein wird und dass jetzt durch Covid 19 diese Transformation auch um ein Vielfaches beschleunigt worden ist. Und ich glaube das ist ein sehr spannender Punkt, wo wir nachher darauf eingehen werden. Carlo herzlich willkommen, schön bist Du dabei.

Carlo Badini: Merci. Hallo zusammen.

Corine Blesi: Dann begrüsse ich Tobias Häckermann. Er ist CEO von Sherpany. Er hat schon mehrere Unternehmen gegründet. Tobias hat uns geschrieben: Remote Work braucht klare Strukturen, einfache Rituale und starke Prinzipien. Was für ein Satz. Auch da gehen wir dann sicher noch ein wenig bohren. Herzlich willkommen, schön bist Du dabei.

Tobias Häckermann: Danke, dass ich dabei sein darf und herzlich willkommen an alle.

Corine Blesi: Und dann Cristian Grossmann, CEO und Co-Founder von Beekeeper. Cris hat uns geschrieben, dass die aktuelle Situation auch die Wichtigkeit von diesen digitalen Tools noch mehr unterstreicht und dass die Investitionen in die Digitalisierung wichtig sind, also wichtiger als je zuvor.  Und ich glaube auch das ist ein sehr spannender Punkt. Herzlich willkommen Chris.

Cristian Grossmann: Danke vielmal Corine.

Corine Blesi: Ich glaube wir steigen ein mit einer kleinen Aufwärmfrage. Ich wäre froh, wenn alle in drei Sätzen sagen könnten: Was macht Eure Firma und wieso heisst sie so, wie sie heisst? Tobi, willst Du anfangen bitte.

Tobias Häckermann: Sehr gerne, danke vielmals. Sherpany macht digitales Sitzungsmanagement, basierend auf einem Prinzip von agilem Sitzungsmanagement. Das Kernstück von dem, was unsere Software unterstützt, ist, dass man im Vorfeld von einer Sitzung eben mehr asynchron arbeitet, diskutiert, austauscht und damit die Sitzung massiv reduzieren kann. Und gerade in einem Remote Work, wo eben Struktur wichtig ist, bringt Sherpany in einer einfachen Art und Weise diese Struktur zu der Sitzung und somit macht sie die Sitzungen effizienter und effektiver und die Entscheidungsfindung schneller. Jetzt, wie ist das zu Sherpany gekommen? Es gibt eine Brandstory zu Sherpany. Sherpany ist wie der Sherpa, der einem hilft auf den Berg zu kommen, wenn man zum Mount Everest will oder Annapurna Circuit. Das ist unsere Brandstory.

Die Realität ist so, dass wir Agilentia hiessen und es gibt eine amerikanische Firma, die heisst Agilent, die hat uns dann verklagt und gesagt das geht gar nicht. Dann haben wir gesagt ja gut entweder können wir jetzt streiten oder einen neuen Namen finden. Dann haben wir ein Bier getrunken und haben angefangen darüber nachzudenken.  Und haben von Shareholder und Company, diese zwei zusammen, wenn diese zusammen erfolgreich arbeiten, dann ist es wahrscheinlich erfolgreicher. Haben das zusammen gepappt, das wäre dann Sharpeny gewesen. Sharp sind wir aber nicht, haben dann Sherpany genommen, geschaut, ob die COM-Domain frei ist und registriert. Und später haben dann geniale Marketing-Leute uns diese Brandstory noch in die Waage gelegt.

Corine Blesi: Okay. Super. Ich habe letztens gelesen, dass Eure Vision ist, bis im 2020 die obersten Entscheidungsträger von einer Million Stunden administrativer Tätigkeiten zu befreien. Habt Ihr das schon erreicht?

Tobias Häckermann: 2020 ist zum Glück noch nicht ganz fertig, also wir haben noch ein wenig Zeit, um das zu machen, aber wir sind auf einem sehr guten Weg. Corona war für uns ein positiver Effekt. Wir hatten extrem viel Nachfrage im ganzen Bereich Sitzungsmanagement, Digitalisierung vom Sitzungsmanagement und somit bin ich positiver, dass wir das bis Ende Jahr erreichen, als ich im Januar war.

Corine Blesi: Okay. Super. Danke vielmals Tobi. Cris, Beekeeper, was macht Ihr, für was steht Ihr?

Cristian Grossmann: Sehr gerne. Beekeeper ist eine Kommunikationsplattform vor allem für gewerbliche Mitarbeiter. Und wir helfen Firmen schwer zu erreichende Mitarbeiter wie gewerbliche Mitarbeiter halt Kommunikation, Prozesse, Tools und Informationen über einen zentralen / zur Verfügung zu stellen. Und somit halt Produktivität, Sicherheit und Effizienz zu erhöhen. Wie der Name zu Stande gekommen ist, weil wir eben sehr viel mit Kommunikation zu tun haben, sind eigentlich die Bienen ein sehr gutes Beispiel der Kommunikation. Die sehr simpel und sehr effizient mit einem sehr guten Zweck eingesetzt werden, und zwar weil sie schönen und schmackhaften Honig machen können.

Corine Blesi: Cool. Ich weiss nicht, ob das ein Gerücht ist, aber ich habe einmal gehört, ursprünglich habt Ihr mit einer Flirting-App gestartet für scheue ETH-Studenten. Ist an diesem Gerücht etwas dran?

Cristian Grossmann: Das ist definitiv so. Also im Gründerteam sind es vier. Drei davon sind von der ETH, inklusive ich. Und ja das stimmt. Unsere allererste Version vom Produkt war eine Flirting-App, wo man anonym die andere Person ansprechen konnte. Definitiv ein gutes Produkt für scheue ETHler, wie wir damals waren.

Corine Blesi: Alles klar. Carlo, Cleverclip, Ihr erklärt den Leuten die Welt mit einem Clip, aber was macht Ihr sonst noch alles?

Carlo Badini: Genau ja. Also wir haben mit Erklär-Videos angefangen. Von dort kommt auch der Name, wir machen clevere Videoclips und dann hat es nicht viel gebraucht, diese zwei Wörter zusammen zu nehmen. Es klang irgendwie ein wenig jung. So ist Cleverclip daraus geworden. Wir haben geschaut, ob die Domain noch zu haben war. Natürlich war diese noch zu haben. Da war es ein relativ einfacher Entscheid. Der Name ist uns ein wenig zum Verhängnis worden, weil wir haben weitaus mehr angeboten haben als nur clevere Videos. Mittlerweile machen wir E-Learnings, interaktive Microsites und Quizzes und Infografiken. Also immer wenn es darum geht, etwas Komplexes einfach zu erklären, in welcher Art auch immer und deswegen ist dieses Clip mittlerweile ein wenig obsolet, aber wir fanden nur clever können wir uns nicht taufen, deswegen haben wir den Namen so gelassen.

Corine Blesi: Gut. Super. Danke vielmals für diesen Einstieg. Ich glaube wir gehen gleich in das Thema. Rituale ist das erste. Tobi Du hast gesagt einfache Rituale sind sehr wichtig. Welche einfachen Rituale habt Ihr bei Euch etabliert und wie funktionieren diese?

Tobias Häckermann: Also einfache Rituale, die Rituale sind vor allem wichtig, damit man den Zusammenhalt hat, damit man merkt, wie man zusammen ist. Wir haben am Anfang verschiedene Sachen ausprobiert und am Schluss haben wir einfach abgeschaut: Was macht man in einem Büro? Was gibt es für Rituale, die in einem Büro auch passieren? Und eines davon ist zum Beispiel, wenn man morgens reinkommt, sagt man „Guten Morgen“. Und wenn man zum Lunch geht sagt man: „Hey ich gehe zum Lunch, hast du Lust mitzukommen?“ Das ist eines von diesen Ritualen. Und das haben wir genau gleich digital so etabliert. Und das machen wir alle mittlerweile. Das man in den Channels, wenn man morgens mit dem Arbeiten beginnt „Guten Morgen“ sagt. Dass man die anderen grüsst mit mentionen. Dass man die anderen mentioned, so die anderen grüsst, die im gleichen Team sind, die im gleichen Channel sind. Dass man sagt: „Hey ich gehe schnell joggen.“ Oder: „Ich gehe jetzt zum Mittagessen“. Oder zum Beispiel: „Hey ich gehe joggen, hast Du Lust mitzukommen?“ Dann gehen drei Leute gleichzeitig joggen, auch wenn diese nicht am gleichen Ort sind. Aber das sind eigentlich kleine Rituale. Oder dasselbe ist zum Beispiel: Was passiert an der Kaffeemaschine. Man trifft sich, man diskutiert einfach, man kann auch ein Gespräch haben. Darum gibt es bei uns einen sprechenden Channel. Der heisst Breakout-Channel, wo es auch eine bestehende Videokonferenz gibt, die ist immer dort. Und wenn man sich einen Kaffee rauslässt, zuhause die Kaffeemaschine läuft und dann beim Kaffee fünf Minuten hinsitzt, kann man in diesen Channel reingehen, beziehungsweise in diese Videokonferenz, die einfach immer stehend ist, und die, welche auch am Kaffee trinken sind, sind dann auch dort. Dann kann man sich kurz austauschen und nach drei Minuten sagt man: „So ich gehe jetzt weiterarbeiten, tschüss zusammen. War ein guter Austausch.“

Also das sind kleine Dinge, die wichtig sind, damit der soziale Zusammenhalt oder eben dieses Wir-Gefühl auch aufkommt. Das ist eines von diesen Ritualen. Das zweite, das sehr wichtig ist, ist, dass die Kommunikation in einem Channel passiert, wir können nachher noch darüber reden, was das ist, und nicht in Direct Messages. Wenn ich in einem Büro bin, gerade in einem Open Office, wenn ich an einem Tisch rede, dann können fünf andere das mithören. Was passiert, wenn die mithören? Gute Ideen kommen plötzlich auf. Einer hört zu und sagt: „Ah da hab ich auch noch eine Idee.“ Oder: „Hey ich könnte ja da mithelfen.“ Oder: „Gestern habe ich schon einmal über das nachgedacht, ich habe schon mal etwas gemacht.“ Und was wir sehr, sehr viel sehen in Unternehmen, die remote machen, dass sehr viel von den Diskussionen in die Private Messages abwandern. Warum? Ja ich will mich halt einfach mit dem Cris austauschen, also schreibe ich ihm. Genau gleich wie wenn ich Whatsapp nehme, dann schreibe ich ihm.

Und das muss man trainieren, dass die Leute dann im Channel, wo alle mitlesen können, at Cris, ihn mentionen, damit ich eine Direktkonversation mit Cris habe, aber trotzdem alle mitlesen können und so entstehen extrem spannende Dynamiken, wo dann eben Leute aus dem ganzen Unternehmen auf Themen raufspringen und sagen: “Hey da habe ich noch eine Idee.“ Oder: „Da habe ich noch eine Capability. Ich kann da mithelfen.“ Wir haben zum Beispiel eine Frontend-Engineerin, die hat ein PHD in Linguistik. Super wertvoll in gewissen Themen, die wir im Marketing diskutieren. Das würde nie passieren, wenn diese Diskussion nicht stattfindet, weil niemand im Marketing würde daran denken, dass wir einen Frontend-Engineer haben, der ein PHD in Linguistik hat.

Corine Blesi: Jetzt Cris bei Euch, Ihr habt ja noch Standorte, seid überall verteilt. Ich weiss nicht zum Teil vielleicht auch mit Zeitverschiebung. Wie macht man das, wenn man über einen ganzen Kontinent verteilt ist? Also das eine ist ja noch so ein wenig, wenn man weiss, ja ich bin in Zürich und der andere ist in Bern. Wenn man überall so ein wenig verteilt ist, wie handhabt Ihr das, dass trotzdem ein wenig ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht?

Cristian Grossmann: Ja das ist etwas sehr Wichtiges auch für uns. Schon seit dem Anfang waren wir ziemlich remote mit unserem ersten Standort in Kalifornien, wo die Zeitverschiebung einige Hürden noch dazu bringt. Wir haben auch Teams in Berlin, in Krakau und in London in der UK. Und wie wir damit umgehen, ist eigentlich sehr ähnlich wie Tobias das gemeint hat. Eines von den Hauptritualen bei uns ist die Daily Standups. Wir lassen das die Teams eigentlich relativ flexibel entscheiden, aber einmal am Tag, eher am Morgen irgendwann kommen wir alle zusammen und sagen was die Ziele vom Tag sind. Was wollen wir erreichen? Welche Schwierigkeiten hatten wir gestern? Einfach dass das relativ natürlich aufkommt. Und das andere Thema, was sehr wichtig zur Kommunikation ist mit den verschiedenen Standorten, wo stark auseinander sind, ist, asynchrone Kommunikation. Dass, wie Tobias sagt, auch diese Art von Gesprächen zeitunabhängig und nicht unbedingt synchron stattfinden können. Was den Zusammenhang bei uns auch sehr stark pusht, zum Beispiel, wenn wir neue Kunden gewinnen, oder coole neue Cases haben, dass wir das auch mit der ganzen Firma teilen. Das hilft auch für den Zusammenhalt. Und das versuchen wir weiterhin zu machen, auch wenn wir alle zuhause arbeiten.

Corine Blesi: Gut man könnte sagen ein Schwatz vor der Kaffeemaschine oder früher musste man auf den Raucherbalkon, dann wusste man immer wieder was läuft in der Geschäftsleitung oder schnell ein Pingpong-Match, wie es bei uns einige machen, das hat man ja dann trotzdem nicht. Carlo wie legt Ihr dem Rechnung? Ich meine viele Dinge kann man versuchen ein wenig abzubilden, aber der wirklich persönliche Austausch, oder so ein wenig diese absolute Spontaneität ist ja dann trotzdem nicht möglich. Wie macht Ihr das?

Carlo Badini: Ja das ist ein guter Punkt. Bei uns ist es denke ich noch ein wenig extremer, weil wir sind seit Tag eins komplett auf Remote Work. Cleverclip wurde vor sieben Jahren gegründet, der erste Mitarbeiter sass in Kuala Lumpur nebst mir. Seitdem haben wir uns wirklich komplett dezentral aufgestellt. Also wir haben ein Office, das ist in Bern, da treffen sich die Leute ab und zu. Aber ansonsten sitzen sie in 14 unterschiedlichen Ländern. Und wir haben das mit diesen Ritualen versucht, mich nimmt dann auch noch Wunder vom Tobi, ob das wirklich funktioniert mit diesen Kaffee-Break-Räumen. Bei uns hat das immer nur so harzig geklappt. Eigentlich ist es ja ein Ritual, was man im echten Leben praktiziert, versuchen zu kopieren in die virtuelle Welt. Und das ist bei uns zumindest immer ein wenig auf Widerstand gestossen. Was sich bei uns wirklich gut eingelebt hat, ist, ich würde eher sagen eine Onlinekultur.

Mich erinnert unser Intranet mehr an wie man früher bei Forums rumhing, man hat viele Insidejokes, man hat viele private Konversationen, die in einem öffentlichen Kanal laufen, wenn wir coole Videos finden auf Youtube oder so werden diese geteilt und dann wird geteilt und man schaut das gleiche Zeug an. Also unsere Online-Firmenkultur erinnert mich viel mehr an ein Reddit-Forum als an irgendwie eine Kopie wie ein physisches Office virtuell funktionieren würde. Und der Zusammenhalt, das müssen wir auch klar sehen in dieser Corona-Zeit, um den Zusammenhalt wirklich zu festigen, ist glaube ich doch einfach physischer Kontakt nötig. Und ich weiss zumindest von Sherpany, ich glaube Beekeeper weiss ich nicht wie sie es machen, wir machen einmal pro Jahr ein Retreat, wo wir zehn Tage, die ganze Firma auf Kosten der Firm an einen Ort geht und wir zusammen arbeiten, zusammen feiern. Und dort ist dann auch vor allem das Kulturbildende, was für das ganze Jahr halten muss.

Corine Blesi: Ja schlussendlich sind es ja die gemeinsamen Erlebnisse, die einem ja dann auch verbinden. Wo man vielleicht einmal beim Feierabendbier oder wenn man zehn Tage ein Retreat macht, wo man dann auch wieder darauf zurückkommen kann. Gibt es Dinge, ich meine Ihr wart immer schon recht remote unterwegs, aber gibt es Dinge, die Euch fehlen? Oder wo Ihr findet boah deswegen gehe ich eben auch wieder ab und zu in das Büro. Weil nur remote ist ja eines, aber es gibt ja dann sicher auch Phasen, wo sich jeder freut, dass er wieder ein wenig in das Büro kann. Was sind das so für kleine Sachen? Ist ja dann oft, was den Unterschied ausmacht und wo man dann erst vermisst, wenn man es nicht mehr hat.

Tobias Häckermann: Ich möchte noch schnell zum Carlo aufnehmen wegen dem remote Kaffee nehmen. Ich glaube was sicher ist, was nicht funktioniert ist, wenn man es versucht zu enforcen, also das die Leute das machen müssen. Sondern ich glaube eines von den grossen Themen, und das ist letztlich dann glaube ich firmenkultur-spezifisch, du musst einfach extrem viel ausprobieren. Ich meine wir haben wirklich von Videowänden aufhängen in den Büros zu wieder abreissen, zu irgendwie stehenden spezifischen Slots zu Feierabendbier virtuell ausprobiert. Wir haben locker neun von zehn solchen Initiativen wieder eingestampft, weil sie nicht funktioniert haben. Man muss es immer wieder probieren und gewisse bleiben dann hängen und andere sterben wieder. Und ich glaube das zweite, wo ich mit Carlo einverstanden bin, ich glaube das ist wie überall in der digitalen Transformation, es ist eben transformieren und nicht kopieren. Ich glaube man kann sich von der realen Welt inspirieren lassen, wie zum Beispiel wir haben sehr viel gelernt mit einfach beobachten, was machen denn die Leute im Büro? Und haben dann angefangen uns zu überlegen: Das why behind the why. Warum machen sie das? Wie könnten wir das auch virtuell ermöglichen?

Völlig einverstanden. Das gibt dir, dass viel mehr Videos, Jokes digital und so weiter geshared werden. Für das haben wir auch einen spezifischen Kanal, weil wir haben gesagt das darf nicht in den Arbeitskanälen passieren, weil sonst hast du nachher eine riesiges Puff an Informationen. Da braucht es ein wenig Guidance. Aber zum Beispiel das Feierabendbier funktioniert nicht. Was aber super funktioniert, ist gemeinsam ein Spiel spielen. Digitale Spiele, da fühlst du dich wie in einer LAN-Party. Irgendwie vor 15 Jahren ist man an eine LAN-Party gegangen und jetzt machst du es so. Und so kannst du plötzlich sehr viele Sachen zusammenführen. Und, das ist etwas, was wir gemerkt haben, jetzt vor allem durch Corona, bei uns war die Hälfte der Firma schon remote und die andere hälfte ist eigentlich zwei Tage remote, drei Tage im Office gewesen. Und hiermit haben sich die Leute, die im Office waren, waren sich viel näher, als die in einem anderen Office. Ein grosser Gewinn für uns durch Corona war, dass jetzt alle sich gleich nah sind. Es beginnen viel mehr solche Zusammenarbeiten. Standort übergreifend und das ist etwas, wo wir uns jetzt auch fragen: Okay wie können wir sicherstellen, dass das beibehalten wird? Weil das war ein ganz klarer Effizienzgewinn für uns.

Corine Blesi: Wir müssen vielleicht noch schnell die Begrifflichkeiten erklären. Remote Work ist jetzt ein riesiges Thema, das ist aufgekommen. Es gibt Home-Office, das man früher ein wenig mehr oder weniger gemacht hat, je nach Firma. Dann so wie Ihr organisiert habt, sind in verschiedenen Standorten. Was sind da so ein wenig die wichtigsten Sachen, wenn Ihr diese Unterscheidungen macht und was sind vielleicht auch Sachen, die besser oder weniger gut funktionieren, jetzt rein aus Euren Erfahrungen heraus?

Carlo Badini: Ich kann ansonsten hier schnell einspringen. Also Home-Office zumindest für mich als Definition, Home-Office ist einfach von zuhause aus arbeiten. Und Home-Office ist wie die SBB-Variante von Remote Work. Da können die Mitarbeiter für zwei, drei Tage von zuhause aus arbeiten und dann müssen sie aber wieder zurück in das Büro. Das ist das, was ich zumindest unter Home-Office verstehe. Remote Work ist wirklich, wenn man die Intention hat, dass die Mitarbeiter von irgendwo arbeiten können. Ob sie dann zusammen in einem gleichen Co-Working-Space sitzen ist dann dahingestellt, zumindest sind die Prozesse und Kommunikationskanäle so ausgelegt, dass es eigentlich ortsunabhängiges Arbeiten erlaubt. Und das ist das, was ich unter Remote Work verstehe.

Corine Blesi: Jetzt hat jemand eine spannende Frage gestellt, das haben wir im Vorgespräch auch schnell angeschaut: Habt Ihr das Gefühl, dass in Zukunft viel weniger Bürofläche benötigt wird? Weil viele Firmen machen jetzt so ein wenig, zwar mit dem Home-Office aber erste Erfahrungen, sie sehen das klappt gut, da wird sich sicher auch Sachen jetzt in diese Zeit nach Corona reinretten und ein wenig verändern, dass man nicht immer im Büro ist. Wird das einen Einfluss haben auf eigentlich die ganze Immobilienbranche? Wie seht Ihr das, was ist Eure Einschätzung?

Tobias Häckermann: Ich glaube schon. Ich meine bei uns, wir hatten vorher eine Durchschnittsauslastung von knapp 50 Prozent. Und wir gehen jetzt davon aus aktuell, dass das auf 35 Prozent runterfallen wird. Dass heisst wir werden mindestens zwei, wenn nicht zweieinhalb Arbeitnehmer pro Arbeitsplatz haben in unseren sechs verschiedenen Standorten in Europa.

Corine Blesi: Ja das geht bei vielen in die gleiche Richtung. Ein Thema, das ich noch aufnehmen möchte, wo so ein wenig zur Religionsfrage wurde in den letzten Wochen: Effizienz und Produktivität. Wo man sehr unterschiedliche Einschätzungen hat, man merkt selber, man kann ein Meeting nach dem anderen machen. Man muss nicht mehr herumreisen, um nach Basel oder Bern zu gehen. Auf der anderen Seite fällt vielen Leuten auch so ein wenig die Decke auf den Kopf und oft hat man schlechte Laune abends. Wie seht Ihr das so? Also klar, Ihr seid jetzt alle sehr experienced und macht das schon lange und ich weiss sehr pro Remote Work. Aber es gibt ja dann schon auch noch zwei, drei Nachteile. Was ist da Eure Analyse?

Tobias Häckermann: Ich möchte schnell einspringen. Und zwar ist das genau der Punkt. Was wir heute erleben, ist mehrheitlich Home-Office, nicht Remote Work. Und bei Home-Office fällt einem das Dach auf den Kopf. Aber Remote Work heisst ich habe auch einen Arbeitsalltag. Ich stehe auf, gehe entweder in mein Fischerhäuschen, in den Co-Working-Space, in das Kaffee, wo ich typischerweise gehe. Das ist etwas anderes. Und dort habe ich viel mehr soziale Kontakte ausserhalb von meiner Familie, als wenn ich im Home-Office bin. Darum ist das wichtig zu unterscheiden. Home-Office und Remote Work ist nicht dasselbe. Und die meisten machen aktuell Erfahrungen mit Home-Office. Dort glaube ich auch sehr viel positive. Aber primär mit Home-Office. Nicht mit Remote Work. Sorry Cris ich glaube ich bin Dir in das Wort gefallen.

Cristian Grossmann: Nein, nein. Also wir haben auch etwas sehr Ähnliches gesehen. Und ich würde gerne zwei Perspektiven geben. Intern haben wir eine ähnliche Erfahrung gemacht. Ich würde das fast unterscheiden, die Leute, die eine Familie haben, oder mit Kindern zuhause, sind glaube ich diejenigen, die die grössten Hürden gesehen haben, um produktiv bleiben zu können. Ich bewundere die alle, wie sie das kombinieren konnten, um die Kinder zuhause zu haben und gleichzeitig auch noch zu versuchen, etwas zu machen. Die, die keine Kinder haben, sind glaube ich doch produktiver geworden. Das ist die interne Perspektive. Die externe, was wir bei unseren Kunden sehen, das sind normalerweise Firmen mit ich würde sagen 60, 70, 80 Prozent von gewerblichen Mitarbeitern, die eigentlich am Arbeitsplatz sein müssen, um überhaupt etwas zu machen. / extrem anders als das, was wir normalerweise als Desktop-Worker sehen. Das ist eigentlich Kommunikation, Rituale und so weiter umso wichtiger geworden, um überhaupt das Unternehmen weiterführen zu können. Und natürlich kommt das sehr stark auf die verschiedenen Industrien an. Es gibt einige, wo mit Problemen, also die sehr stark davon betroffen sind wie Hotels, Restaurants und so weiter. Und es gibt andere, wo andere Probleme haben von wegen wie kann ich mit so viel Nachfrage überhaupt nachkommen. Alles, was Logistik, Spitäler sind und so weiter.

Carlo Badini: Ich stimme da völlig zu. Ich glaube das müsste man auch einsehen. Wir sind natürlich Software-Development-Design. Das ist eine sehr privilegierte Branche, wo man sich erlauben kann, dass man sicher von irgendwo aus arbeiten kann. Das geht natürlich bei ganz vielen Branchen nicht so. Dann stellt sich die Frage, wie man sich richtig aufstellen muss, dass man effizient kommunizieren kann und diese Rituale durchführen.

Corine Blesi: Gut ich möchte zu den Tools wechseln. Hier ist auch schon eine Frage reingekommen. Es gibt ja so viele verschiedene Tools, wenn man sich ein wenig damit befasst hat in der letzten Woche, um Prozesse zu optimieren, um sich persönlich zu organisieren, für die Zeiterfassung, für die Finanzen. Ich glaube die, welche die meisten Leuten zu tun hatten, sind die Kommunikations-Tools, Chat-Tools, Video-Tools. Was sind da Eure Tipps, wenn jetzt jemand so ein wenig ja auch die Struktur wechselt, mehr remote arbeiten will. Was sind diese Tools, wo Ihr darauf schwört, wo Ihr sagt, die würdet Ihr nie mehr hergeben in Eurem Arbeitsalltag.

Tobias Häckermann: Ja offensichtlich bei mir Sherpany, beim Cris Beekeeper.

Carlo Badini: Bei uns, wir haben ganz, ganz vieles ausprobiert. Wir haben Slack ausprobiert. Slack bin ich grundsätzlich kein grosser Fan davon. Ich finde es ist zu, ich glaube der Name gibt es schon vorweg, es macht einem eher ein wenig langsam, weil es irgendwie doch zu attraktiv ist und weil man zu viel Zeit darauf verbringt. Was unser Top-Tool ist, ist Basecamp. Das ist ein Projektmanagement-Tool, das eine einfache Messanger-Funktion drin hat. Das deckt bei uns ich würde einmal sagen 90 Prozent von Remote-Arbeit, Zusammenarbeit. Den Rest haben wir dann mit so online Whiteboard, Software. Bei Miro kann man auf einem virtuellen Whiteboard arbeiten. Wir haben Loom, wo man sich gegenseitig Videos zuschicken kann. Das sind einzelne kleine Sachen, aber der grösste Teil passiert auf diesem Basecamp.

Cristian Grossmann: Ich würde auch sagen bei uns kommt es ein wenig darauf an in dem Bereich was man damit erreichen will. Bei uns intern, also natürlich brauchen wir Beekeeper. Aber wir ergänzen das natürlich mit Sachen wie Zoom. Das ist auch sehr, sehr wichtig für uns geworden. Wie Du auch gesagt hast Miro. Brauchen wir auch sehr viel. Und ich glaube das ganze Thema Google Docs, also Spreadsheet Docs und so weiter brauchen wir extrem viel. Das ist aber glaube ich eher bei privilegierteren Arbeitsstellen, wo es halt direkt am PC stattfinden kann und so weiter. Bei unseren Kunden sehen wir, also diese ganze Situation hat eigentlich zu Geschichten geführt, wo man die Mitarbeiter nachhause schicken muss auf Kurzarbeitstellen und man hat überhaupt keinen anderen Weg um diese zu erreichen als vielleicht Whatsapp. Wir haben viele Kunden wo Briefe schicken mussten, was das Ganze halt sehr schwierig macht. Und für genau diese Art von Bereichen sind digitale Tools wie eben Beekeeper sicher ein guter Ansatz.

Tobias Häckermann: Also ich bin, obwohl Cris dabei ist, muss ich die Gegenposition nehmen zum Carlo. Slack für uns ist fantastisch, wir haben Slack eingeführt. Wir haben Teams ausprobiert. Wir haben auch über (unverständlich 0:28:14) und so probiert. Wir haben Hangouts probiert als Kommunikationsinstrument. Bei uns hat Slack am besten funktioniert. Und genau, für uns war es das Umgekehrte, mehr Fokus und vor allem eine grosse Möglichkeit, sehr viele kommunikative Elemente zu automatisieren. Du hast vorher gesagt Cris, wenn ein neuer Kunde gewonnen wird, dann gibt es automatische Nachrichten. Wenn ein Kunde expanded, wenn er zusätzliche Features nimmt und so weiter. Und das ist extrem wichtig. Erfolg zu feiern, Erfolg zu teilen mit allen. Auch zu sehen, wie es funktioniert. Dann hast du natürlich die ganze Breite, die ganzen Google Docs, Zoom logischerweise. Wir brauchen auch Miro für die interne Kommunikation.

Aber für jedes Departement ist es dann wieder anders. Wenn du irgendwie im Design bist, nimmst du Vision als Kommunikations-Tool. Ich glaube diese Frage kann man so generell nicht beantworten. Aber ich glaube was man kann, was wir wahrscheinlich allen auf den Weg mitgeben können, ist, fast wichtiger, also natürlich sind die Kommunikations-Instrumente extrem entscheidend. Fast noch wichtiger als welches, du musst dir zuerst überlegen: Was ist dein Kommunikations-Konzept? Also wie strukturierst du deine Kommunikation im Unternehmen? Wenn es ein Unternehmen mit eins bis zwanzig Mitarbeitern ist, ist das noch relativ einfach. Aber wenn du 100, 200, 300 Mitarbeiter oder dann auch über tausend bist, musst du dir überlegen: Um welche Kommunikation geht es? Wie channelst du das, damit es effektiv bleibt. Und ich glaube wenn man da in das Konzept ein wenig Zeit investiert, dann gewinnst du extrem viel, weil die Chance ist grösser, dass du das richtige Tool dann nimmst, nämlich das, was zu deinem Konzept passt. Und das zweite ist auch, du wirst kein Chaos verursachen.

Corine Blesi: Ja es ist ein wenig dasselbe mit den Prozessen. Nimmt man jetzt ein Tool, das den Prozess unterstützt, oder muss man sich in einem gewissen Masse auch ein wenig anpassen. Ich glaube das sind so Grundsatzfragen. Ich habe hier eine spannende Frage vom Andi Donati. Er möchte gerne wissen inwiefern, dass sich die Führungsstrukturen verändern und auch die Führungsspanne jetzt mit diesem Ganzen, die Grösse von Teams im Umfeld von Remote Work. Habt Ihr das Gefühl das hat einen Einfluss auch auf die Organisationsstruktur?

Carlo Badini: Ich möchte nur noch schnell etwas sagen zu dem, was Tobi vorher gesagt hat. Und das hat er schon am Anfang erwähnt und ich finde wir müssen nochmal schnell darauf zurück kommen. Ich glaube das Wichtigste, und da bin ich völlig Deiner Meinung, es spielt keine Rolle, ob man Slack braucht oder Beekeeper oder Basecamp. Das Wichtigste ist, dass die Kommunikation in Kanälen funktioniert. Und in Kanälen, die transparent sind und für alle zugänglich sind. All die, die sagen, sie brauchen Whatsapp, um sich auszutauschen, das ist ein Scheiss, das funktioniert nicht, weil dann ist man in diesem 1:1 hin und her Pingen und es geht ganz viel Information verloren. Ich glaube das Wichtigste, und da spielt es gar keine Rolle welches Tool man nutzt, ist, dass man institutionalisiert, dass jedes Projekt oder jedes Thema ein Kanal hat und die Kommunikation zu diesem Thema in diesen Kanälen stattfindet.

Tobias Häckermann: Und vielleicht, ich komme nachher gleich auf die Antwort auf die andere Frage zurück, on top of that, die Kommunikation funktioniert nicht selbständig. Du brauchst einen Polizist, oder jemand, der das Thema Kommunikation owned. Man muss Channels killen, man muss Themen killen, man muss Topics killen. Man muss es immer wieder aufräumen. Weil es ist ein natürlicher Prozess, dass immer neue Sachen entstehen und das muss man immer wieder aufräumen. Weil sonst verläuft sich das und man hat eben den Überblick nicht mehr. Man weiss nicht mehr wann brauche ich eigentlich was. Es gibt auch da ganz einfache Sachen. Zum Beispiel, dass du gewisse / durchführst. Es gibt Team-Channels, die beginnen immer mit Team. Es gibt Topic-Channels, die beginnen immer mit einem Topic. Und es gibt Ad hoc-Channels, die beginnen immer mit ad hoc, oder so. Das ist gar keine Raketenphysik. Es ist relativ einfach. Aber diese Sachen muss man sich ein wenig überlegen, damit man nachher wirklich die Ordnung behalten kann und damit eben, und das ist ein grosser Mehrwert, das Knowledge-Management, wenn man eine Kommunikations-Plattform nutzt, wird signifikant einfacher.

Corine Blesi: Ich glaube das ist auch schon letzte Woche so ein wenig herausgekommen, man muss neue Spielregeln vielleicht ein wenig definieren. Also am Anfang kann man ein paar Tools ausprobieren und dann am Abend merkt man: Wo muss ich jetzt noch antworten? Wo hat es noch einen Chat? Wo hinke ich noch hinterher? Dann merkt man, man kommt gar nicht nach und ist eigentlich gar nicht effizienter. Aber ich glaube mit der Zeit weiss man ja dann so ein wenig diese zwei, drei, die man nutzen will. Und dann kann man sich auch entsprechend dann verhalten und diese Regeln aufstellen innerhalb von der Unternehmung. Ich möchte trotzdem noch auf die Frage der Führung kommen. Was ist da Eure Einschätzung? Werden sich die Teams verändern in der Zukunft? Werden wir neue Organisationsstrukturen sehen?

Tobias Häckermann: Cris, willst Du zuerst?

Cristian Grossmann: Ja gerne. Spannende Frage. Kurzfristig würde ich sagen eher nicht, also es gibt sicher Veränderungen, wie wir das gehört haben an der Kommunikation, Kommunikationsdynamik, wie kommuniziert man und so weiter. An der Struktur per se könnte ich mir vorstellen mit remote könnten die Teams etwas grösser werden und etwas effizienter. Das heisst die Führungsspanne könnte tendenziell eher grösser werden als kleiner. Aber das wird eher eine Vermutung sein, die wir selber auch noch nicht gesehen haben. Oder gemacht haben. Spekulativ. Was meint Ihr dazu?

Tobias Häckermann:  Ich würde sagen die kürzeste Antwort  ist: Mittelmässige Führungskräfte werden rausfallen. Und zwar weil du bei remote noch viel weniger die Chance hast durch Präsenz zu führen. Du musst viel mehr wissen: Was will ich von wem? Was erwarte ich? Und extrem stark outward-orientiert führe. Wenn du wirklich outward-orientiert führen kannst, dann kannst du A viel mehr vertrauen, viel mehr Selbständigkeit, viel mehr Dynamik im Team ermöglichen und fördern. Dadurch kannst du deine Führungsspanne auch vergrössern. Und darum würde ich sagen ja Cris, ich denke auch die Führungsspanne wird tendenziell etwas zunehmen, aber Mittelmass reicht nicht mehr. Und Mittelmass im Sinne von, typischerweise haben wir ja, diesen Fehler haben wir alle auch schon gemacht, bei Sherpany haben wir den wahrscheinlich schon viel gemacht, wir haben gute Fachkräfte zu Führungskräften gemacht. Das sind zwei unterschiedliche Kompetenzen, die man braucht. Und wir haben bei uns im Organisationsmodell sehr bewusst die Führungskarriere und die Fachkarriere gleichgestellt, sowohl titel-technisch wie auch entwicklungs-technisch, wie auch salär-technisch. Nur weil du eine Führungskraft bist, bist du nicht zwingend wertvoller für ein Unternehmen. Aber es ist eine Fähigkeit, die wir auch brauchen, genau gleich, wie wir einen top Backend-Engineer brauchen, genau gleich, wie wir einen top Designer brauchen. Und dadurch haben wir es geschafft, wirklich Führungskräfte eben zu schauen, du musst nicht auch ein guter Designer sein, aber du musst diese Elemente wirklich im Griff haben, die zur Führung gehören. Und eines dieser Kernelemente ist ergebnisorientiertes Führen. Ansonsten funktioniert das Remote unseres Erachtens nicht.

Corine Blesi: (unverständlich 0:35:46) Anforderungsprofil. Ja Carlo bei Euch, habt Ihr überhaupt noch eine Hierarchie, oder was habt Ihr für eine Struktur?

Carlo Badini: Genau. Nein wir sind ein solch neues Hippie-Unternehmen, wo es in dem Sinne nicht mehr eine direkte Hierarchie gibt. Es gibt natürlich schon noch Geschäftsleitung, welche die Strategie auslegt.

Tobias Häckermann: Es gibt einfach die Firma und den Carlo.

Carlo Badini: (unverständlich 0:36:14) auf der Hängematte. Nein was wir nicht haben, und dort stimme ich auch wieder dem Tobi zu, wir haben wirklich kein Middle-Management. Ich weiss nicht, ob das daran liegt, dass wir remote aufgestellt sind von Anfang an, oder ob es daran liegt, dass wir uns von Anfang an an Holacracy orientiert haben, an einem moderneren Organisationsmodell. Das kann ich nicht sagen, was der Cause und Effekt ist. Aber was wir einfach herausgefunden haben, es funktioniert sehr, sehr gut, wenn wir vor allem Leute haben, die wirklich arbeiten. Und nicht einfach Leute, die Meetings organisieren und dazwischen irgendwo versuchen Sachen /. Bei uns managen sich die Leute wirklich selber. Ich kann schwer einschätzen, ob das daran liegt, dass wir remote sind, ob es sich gegenseitig bedingt, bei uns setzten die Designer selber ihren Plan, die brauchen keinen Manager, der ihnen sagt sie müssen das und das und das machen. Und das gibt natürlich sehr viel mehr Effizienz.

Corine Blesi: Ja ich glaube so ein wenig Eigenverantwortung und Vertrauen sind so ein wenig die zwei Themen der Stunde geworden wahrscheinlich, die jetzt auch ein wenig eine Bedeutung bekommen haben in der letzten Woche. Wir kommen schon langsam zum Schluss. Ich habe zum Schluss einen Satz vorbereitet, den ich beginne und es toll fände, wenn jeder den fertig machen würde. Und zwar heisst der: Die nächste Firma, die ich gründe, macht was genau? Tobi?

Tobias Häckermann: Bauroboter.

Corine Blesi: Bauroboter. Okay. Ja ist gut. Cris?

Cristian Grossmann: Dronen, die Pakete liefern.

Corine Blesi: Dronen, die Pakete liefern. Okay. Carlo?

Carlo Badini: Interiordesign.

Corine Blesi: Musst Du nochmals sagen.

Carlo Badini: Interiordesign. Inneneinrichtung.

Corine Blesi. Okay. Ich sehe da sind ganz neue Business-Modelle am Horizont. Ich möchte Euch an dieser Stelle ganz herzlich danken für diese engagierte Diskussion, auch für diese Offenheit, ja auch zum Teil Sachen zu teilen, die natürlich die Firma betreffen und auch persönlich sind. Ich glaube wir haben da drei Visionäre gesehen. Ich meine alle Eure Business-Modelle, die sind jetzt extrem beschleunigt worden, auch durch diese Krise. Wer hätte das vor drei Jahren gedacht. Wahrscheinlich niemand. Aber manchmal muss man auch einfach als Unternehmer eine gute Nase haben. Und in dem Sinne wünsche ich Euch persönlich alles gute für die Zukunft und auch vor allem Euren Firmen, Euren nächsten Projekten und Euren nächsten Unterfangen. Mögen diese gelingen. Und möchte mich an dieser Stelle auch bei allen Zuhörern und Zuhörerinnen bedanken für die aktive Mitarbeit. Denen, welche Fragen gestellt haben für die vielen tollen Fragen. Und würde mich freuen, wenn Ihr auch das nächste Mal wieder dabei seid. In diesem Sinne noch einen schönen Nachmittag und Ade miteinander.

Carlo Badini: Merci.

Tobias Häckermann: Danke vielmals. Merci. Tschau zusammen. 


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