Fünf Zutaten für ein perfektes Storytelling-Menü

Das berühmte Salz in der Suppe

Kochen und Geschichten-Erzählen sind ja eigentlich zwei ganz verschiedene Dinge. Trotzdem gibt es eine Gemeinsamkeit: Am Ende erhält man ein zufriedenstellendes Resultat nur mit einer nötigen Portion Hingabe und den richtigen Zutaten.

Wer schon einmal Suppe gekocht und dabei das Salz vergessen hat, weiss, dass das Fehlen einer einzigen Komponente verheerend sein kann. Und Sie haben es bestimmt schon erraten: Beim Storytelling ist es nicht anders.
Es sind die einzelnen Komponenten, die zuletzt für ein aussergewöhnliches Erlebnis sorgen.

In diesem Artikel wollen wir Ihnen fünf wichtige Zutaten einer guten Story auftischen. Damit kreieren Sie garantiert Geschichten, an die sich Ihr Publikum erinnert – wie an ein leckeres Gourmet-Menü.

Zutat eins: Eigene Erfahrung

Braucht man Inspiration für ein Abendessen, kann man im Internet tausende verschiedene Rezepte herunterladen. Befolgt man die Anweisungen darauf genau, dann kann beim Nachkochen eigentlich nichts schiefgehen. Ein richtig spezielles Geschmackserlebnis erschafft man aber nur, wenn man dem Rezept eine eigene Note verpasst, es optimiert und dadurch im besten Falle verfeinert.

Eine persönliche Note ist auch beim Storytelling vorteilhaft. Nichts macht Ihre Story emotionaler und fesselnder, als wenn Sie während des Erzählens aus dem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen. Denn wer in seiner Geschichte die Worte „Hör mal, letzthin ist mir etwas Unglaubliches passiert“ benützt, hat die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf sicher. Erfahrungen aus erster Hand besitzen mehr Anziehungskraft als alles, was nur indirekt aufgeschnappt wurde.

SIE erzählen die Geschichte, und darum ist es am besten, wenn SIE auch Teil der Geschichte sind. Da Sie zusätzlich emotional eingespannt sind, erhält das Erzählte schon nur dadurch ein spannendes Element.

Zutat zwei: Packender Start

Praktisch jeder kann Pasta kochen. Aber nur ganz wenig Leute zaubern aus einem so simplen Gericht ein Meisterwerk, womit man überrascht. Ist der Gast mit dem ersten Bissen vom Gericht überzeugt, dann wird dieser die Mahlzeit nicht nur verputzen, sondern auch geniessen. Genau dieser erste Bissen ist also entscheidend!

Beim Storytelling entspricht der erste Bissen dem einführenden Teil. Gleich am Anfang der Geschichte muss es gelingen, den Zuhörer zu packen. Hier muss ihm versprochen werden, dass es sich lohnt, sich die Geschichte anzuhören. Wie man das erreicht? Da gibt es verschiedene Methoden: Entweder eine lustige Anekdote, ein verblüffender Fakt oder ein völlig unerwarteter Einstieg – alles natürlich immer vor dem Hintergrund der Grundthematik der Story. Was uns gleich zur Zutat Drei führt.

Zutat drei: Ein starkes Thema

In der Schweiz isst man in der Herbstsaison gern Rehpfeffer. Ein Gericht, dessen Thema natürlich der Herbst ist: Rehfleisch, Spätzle, gekochte Äpfel mit Preiselbeeren, Rotkraut, Kastanien und Trauben. Dinge, die im Herbst Saison haben.

Auch bei einer guten Story ist es von Vorteil, ein Thema zu haben. Dabei kann es sich um vieles handeln.

In der Welt des Films sind Themen allgegenwärtig: Zum Beispiel Rache (“Spiel mir das Lied vom Tod”, “Kill Bill”),
Mensch gegen Natur (“Jurassic Parc”, “The Day after Tomorrow”) oder Liebe überwindet alle Hürden
(“The Notebook”, “Shrek”). Alles Themen, welche Menschen mitreissen, weil sie simpel und stark zugleich sind.

Ihre Geschichte braucht ebenfalls ein starkes Grundthema. Es muss nicht so plakativ sein wie die vorhin aufgeführten Beispiele. Aber es ist immer von Vorteil, wenn das Thema dem Publikum etwas bedeutet und es berührt.

Zutat vier: Interesse generieren und halten

Ein guter Koch schafft es, die Gäste selbst bei einem ausschweifenden Dîner mit jedem neuen Gang bei Laune zu halten. Aufkommende Langeweile ist auch beim Essen das Schlimmste,  was passieren kann.

Was Sie als Geschichtenerzähler nicht sehen wollen, sind gähnende Gesichter im Publikum. Doch wie können Sie dies vermeiden? Selbst wenn Sie mithilfe eines guten Einstiegs das Interesse Ihres Publikums wecken konnten, bedeutet das nämlich nicht automatisch, dass man bis zum Ende der Geschichte an Ihren Lippen hängen wird. Wir leben in Zeiten, in welchen die Aufmerksamkeitsspannen, dank ununterbrochenem medialem Bombardement, extrem kurz sind. Eine der Schlüsselfragen des Storytellings ist deshalb:
Wie halte ich meine Zuhörer bei Laune?

Das schaffen Sie zum Beispiel, indem Sie das Publikum herausfordern. Ein gutes Mittel dafür ist das Stellen von Fragen (vermeiden Sie dabei wenn möglich offene Fragen). “Haben Sie schon einmal ein Verbrechen miterlebt?” oder “Wer von Ihnen ist religiös?” sind gute Beispiele für geschlossene Fragen, mit denen Sie das Publikum engagiert und wach halten.

Zutat fünf: Die Pointe

Was ist der krönende Abschluss eines jeden Menüs? Was ist so verführerisch, dass es im Bauch immer Platz dafür gibt, auch wenn man schon lange satt ist? Richtig, das Dessert!

Das “Dessert” Ihrer Story ist die Kernaussage. Die Information, welche das Erzählen der Geschichte überhaupt rechtfertigt. Wichtig dabei: Alles, was Sie erwähnen, sollte ultimativ auf die Kernaussage hinführen. Das ganze kann getrost auch “Pointe” genannt werden.

Achten Sie also darauf, nicht zu sehr abzuschweifen. Episoden, die nichts mit der Kernaussage zu tun haben, lassen die Zuhörer rasch das Interesse verlieren. Gelingt es Ihnen aber, mit jedem Satz auf die Pointe hinzuarbeiten, so erschaffen Sie einen Spannungsbogen, der im besten Fall bis zum Ende der Story erhalten bleibt.

“Es sind eher … Richtlinien.”

Was Sie soeben gelesen haben, tönt alles ein wenig theoretisch. Es ist aber selbstverständlich nicht als ein Konstrukt aus starren Regeln zu verstehen. Storytelling kennt keine festen Regeln. Die fünf erwähnten Punkte sollen mehr als Richtlinien für das Erschaffen einer Geschichte dienen. Mit ihrer Hilfe löst man beim Publikum etwas Positives aus. Und mit etwas Geschick wird die Story so zum Erfolg.

Die Geschichte gehört Ihnen, Sie haben die Freiheit, sie so zu erzählen, wie Sie es wollen.

Letzten Endes gilt beim Storytelling dasselbe wie beim Kochen: Probieren Sie aus! Was funktioniert, was eher nicht? Das werden Sie nur durch Experimentieren herausfinden.

Viel Spass dabei!